Beim Lesen wurde mir wieder bewusst, wie einseitig Geschichte häufig erzählt wird. Viele Namen erfolgreicher Männer sind bis heute bekannt, während die Frauen, die einen entscheidenden Anteil an ihren Werken und Erkenntnissen hatten, kaum erwähnt werden. Leonie Schöler zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie Frauen in Wissenschaft, Kunst, Literatur und Politik systematisch übergangen wurden und Männer stattdessen die Anerkennung erhielten.Von einigen der vorgestellten Frauen hatte ich vorher noch nie gehört, obwohl ihre Leistungen bedeutend waren. Umso interessanter fand ich es, mehr über Persönlichkeiten wie Mileva Mari¿, Elisabeth Hauptmann, Lise Meitner oder Rosalind Franklin zu erfahren. Das Buch beschränkt sich dabei nicht nur auf einzelne Lebensgeschichten, sondern zeigt auch, welche gesellschaftlichen Strukturen hinter ihrer fehlenden Anerkennung stehen und wie ähnliche Mechanismen bis heute weiterwirken.Der Schreibstil ist zugänglich und stellenweise sehr locker, weshalb sich das Sachbuch trotz des ernsten Themas gut lesen lässt. Auch die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart fand ich gelungen. Viele Stellen haben mich nachdenklich und wütend gemacht, weil deutlich wird, wie viel Wissen, Arbeit und Einfluss Frauen abgesprochen oder anderen zugeschrieben wurde.Gut gefallen hat mir auch die Gestaltung. Durch die zahlreichen Abbildungen bekommen die vorgestellten Frauen ein Gesicht, wodurch ich mir ihre Namen besser merken konnte. Von bekannten Männern aus der Geschichte hat man schließlich oft sofort ein Bild vor Augen. Umso schöner fand ich es, auch die häufig vergessenen Frauen nicht nur namentlich kennenzulernen.Anhand des Klappentextes hatte ich allerdings mehr ausführliche biografische Porträts erwartet. Stattdessen liegt der Fokus häufig auf übergeordneten Strukturen und aktuellen Bezügen. Trotzdem habe ich sehr viel aus dem Buch mitgenommen. Es ist ein wichtiger und gut verständlicher Einstieg in ein Thema, das in der Geschichtsschreibung noch immer zu wenig Aufmerksamkeit erhält und regt dazu an, bekannte Erzählungen stärker zu hinterfragen.