Das Cover ist auf den ersten Blick ruhig und einladend. Es wirkt sanft, fast tröstlich, und steht damit in einem bewussten Kontrast zu den schweren Themen, die im Buch behandelt werden.
Der Schreibstil von Lisa Fipps ist ungewöhnlich und gleichzeitig sehr zugänglich. Die Geschichte wird vollständig in kurzen Versen erzählt, die sich schnell lesen lassen und Ellies Gedankenwelt direkt widerspiegeln. Viele Sätze stehen für sich, wirken bruchstückhaft und genau dadurch sehr nah an den inneren Monologen eines Kindes. Man ist sofort in Ellies Kopf, spürt ihre Scham, ihre Wut, ihre Unsicherheit, aber auch ihre leisen Hoffnungen. Mir hat diese Form grundsätzlich gefallen, auch wenn ich nicht jede Stelle als gleich stark empfunden habe. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich Gedanken wiederholen oder länger auf der gleichen emotionalen Ebene verharren.
Ellie ist elf Jahre alt und wird aufgrund ihres Gewichts gemobbt. In der Schule, durch Mitschüler, aber vor allem auch innerhalb der eigenen Familie. Besonders das Verhalten ihrer Mutter war für mich schwer auszuhalten. Die vielen Regeln, Diäten und Kommentare sind als Fürsorge getarnt, aber einfach nur zutiefst verletzend. Gerade weil diese Dynamik so realistisch wirkt, ging sie mir beim Lesen besonders nah. Ihr Vater bildet einen wichtigen Gegenpol, ebenso wie Ellies Freundschaften und die therapeutische Unterstützung, die sie im Laufe der Geschichte erhält. Diese Charaktere geben ihr Halt, ohne alles sofort besser zu machen, was ich als sehr glaubwürdig empfunden habe.
Was das Buch für mich stark macht, ist die Ehrlichkeit. Es beschönigt nichts und macht sehr deutlich, wie sehr Worte verletzen können, gerade wenn sie immer wieder kommen und von Menschen stammen, die eigentlich Schutz bieten sollten. Gleichzeitig ist es keine reine Leidensgeschichte. Ellie entwickelt sich. Langsam, vorsichtig und nicht geradlinig. Sie lernt, Raum einzunehmen, im Wasser und nach und nach auch außerhalb davon. Diese Entwicklung wirkt nicht spektakulär, sondern leise, was gut zum Ton des Buches passt.
Trotzdem hat mir stellenweise ein etwas stärkerer Ausgleich gefehlt. Die belastenden Situationen nehmen viel Raum ein und gerade für die junge Zielgruppe kann das sehr intensiv sein. Die hoffnungsvollen Momente sind da, aber sie bleiben für mein Empfinden manchmal zu kurz oder zu zurückhaltend, um das Gewicht der negativen Erfahrungen wirklich auszubalancieren.
Fazit:
"Starfish" ist ein wichtiges, sensibles und sehr nah erzähltes Buch über Bodyshaming, Mobbing und Selbstwert. Die Versform bringt Ellies Gefühle eindringlich zum Ausdruck, auch wenn sie für mich nicht durchgehend die gleiche Wirkung hatte. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine ehrliche und relevante. Besonders für junge Leserinnen und Leser, aber auch für Erwachsene, die bereit sind, hinzusehen.
4/5 Sterne