Manchmal reicht ein einziger Bildband, um den Alltag vom Tisch zu fegen. Dieses Buch lag keine fünf Minuten offen, da wanderte der Finger schon über Seiten, Augen wurden groß, Köpfe rückten näher zusammen. Grauwale vor Baja California und sofort kam von der Couch ein ehrfürchtiges Die sind ja riesig! Währenddessen blätterte meine Frau weiter, blieb in Andalusien hängen und meinte trocken, dass genau dort Tapas plötzlich lebenswichtig werden.
Der Bildband fühlt sich an wie ein sehr gut gelaunter Freund, der dauernd sagt: Komm, das geht. Die Fotos sind nicht nur schön, sie ziehen rein. Patagonien? Kurz still im Wohnzimmer. Dann die Frage, ob man da wirklich zwei Wochen durchhält. Antwort von mir: Mit so einem Plan im Buch vermutlich ja. Und schon wird diskutiert, was man essen würde, wo man schlafen könnte und ob man wirklich jeden Tag wandert oder doch mal faul guckt.
Besonders stark: Diese Mischung aus Träumen und Machbarkeit. Jede Reise wirkt groß, aber nicht unerreichbar. Karten, Routen, Zeitspannen alles da, ohne die Magie zu zerstören. Beim gemeinsamen Lesen entstanden kleine Rituale: Eine liest vor, eine sucht die Stelle auf der Karte, einer träumt laut. Gelächter, Staunen, gelegentliches Das machen wir irgendwann.
Das Buch wurde schnell zum Sofa-Reisebüro. Kein Konkurrenzkampf, sondern gemeinsames Kopfkino. Seiten wurden markiert, Favoriten verteilt, Pläne halb ernst, halb verspielt geschmiedet. Genau das ist die große Stärke dieses Bildbands: Er verbindet. Menschen, Ideen und diese leise Hoffnung, dass das nächste Abenteuer näher ist, als man denkt.