Blick in einen ländlichen Mikrokosmos - sehr schön erzählt, keine Sekunde langweilig.
Louise Erdrich versetzt uns in ihre Heimat, das Red River Valley in North Dakota: eine ländliche Gegend, fernab von jeder Großstadt und den damit verbundenen Vergnügungen. Über einige Jahre hinweg begleitet sie das Leben einiger Figuren, allen voran das der jungen Kismet und ihrer Mutter Crystal. Ihr Leben wird, wie das der anderen Figuren auch, bestimmt durch die Landwirtschaft und die Probleme, die damit zusammenhängen. Erdrich beschreibt in der Figur Crystals die finanziellen Probleme einer meist indigenen Landarbeiterschicht, die bei allem Fleiß nicht auf einen grünen Zweig kommt. Kleine landwirtschaftliche Betriebe können sich nicht halten, u. a. durch die Schuldenbelastung aufgrund des Börsencrashs von 2008. Daneben stehen die industrialisierten landwirtschaftlichen Großbetriebe, die mit dem Aufkauf der verschuldeten Kleinbetriebe zwar ihr Überleben sichern, aber die mit dem schrankenlosen Einsatz von Pestiziden massive ökologische Probleme in Kauf nehmen müssen. Der Red River, an dem die Autorin aufgewachsen ist, ist zwar nach wie vor die Lebensader des Tals, aber durch Abwässer und Gifte verseucht.Diese allgemeinen Probleme vermengt Erdrich mit dem Leben ihrer Figuren. Jede Figur wirkt dreidimensional und lebensecht, und es sind perfekt gezeichnete Portraits, die sie dem Leser vorstellt. Alle Figuren sind gemischte Charaktere, keine ist nur gut oder böse, und nicht alle ihre Entscheidungen kann der Leser nachvollziehen. Spannung entsteht durch Kismets Dreieck-Beziehung und vor allem durch das allmähliche Aufdecken eines folgenschweren Unfalls, der wie eine schwarze Wolke über der Kleinstadt hängt.Dennoch wird der Roman nicht durch eine spannungsgeladene Handlung bestimmt. Er ist eher der durchaus liebevolle und auch humorvolle Blick auf das alltägliche Leben in einem ländlichen Mikrokosmos: so war die Welt eben.4,5/5*