Buchinhalt:
Die Welt der 12järigen Frieke ist in Trümmern: die Eltern haben sich getrennt, der Vater lebt fortan mit einem Mann zusammen und das Haus wird verkauft. Als Frieke, ihre Mutter und Schwester eine Altbauwohnung beziehen, finden sie bei Renovierungsarbeiten Bleistiftzeichnungen auf dem Putz in einem der Zimmer. Frieke entdeckt: wenn sie die Bilder berührt, kann sie in die Vergangenheit reisen. Auf einer dieser Zeitreisen freundet sie sich mit Ilsabeth an, dem Mädchen, das die Bilder gemalt hat. Ilsabeth lebt im Jahr 1928 und so kommt Frieke schließlich mit den politischen Gegebenheiten und der wohl dunkelsten Zeit in der deutschen Geschichte in Berührung....
Persönlicher Eindruck:
Der Aufhänger dieses Jugendromans ab 10 Jahren macht wohl jeden Leser neugierig: ein Mädchen kann durch die Berührung einer Zeichnung, die unter der Tapete in der neuen Wohnung entdeckt wurde, in die Vergangenheit reisen. Das hat auch mich aufmerksam werden lassen auf diese Geschichte und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch: Zeitreisen sind mir aus der Literatur aus unterschiedlichen Genres ein Begriff und ich war gespannt, inwieweit sich dieses SF-Element vereinbaren lassen sollte mit Gegenwartsgeschichte und der Historie aus der Zeit der Weimarer Republik.
Hauptfigur der Geschichte ist die 12jährige Frieke, die unter der Trennung ihrer Eltern leidet. Nicht nur hat der Vater die Familie verlassen er hat sich zudem geoutet und lebt jetzt mit einem Mann zusammen. Kein Wunder, dass sich Frieke verraten fühlt. Ähnliches hätte ich auch von Friekes Mutter erwartet, diese jedoch reagiert vollkommen cool und dadurch auch total realitätsfern, denn sie ist so glücklich, weil ihr Mann jetzt endlich glücklich ist. Nun, glaubwürdig und authentisch ist für mich etwas anderes, aber nun gut. Frieke war für mich die Einzige, die sich absolut authentisch verhielt, dennoch nahm niemand ihre Gefühle ernst.
Die Haupthandlung dreht sich jedenfalls um die Zeitreisen in die späten 1920er Jahre und um die Freundschaft zu Ilsabeth und deren Familie. Nach und nach erkennt Frieke, dass diese glühende Verehrer Hitlers sind und dass Ilsabeth diesen wie einen Popstar anhimmelt.
Nicht stringent und stimmig vermittelt wird, dass Frieke sich in der Gegenwart immer in die Perspektive anderer hineinversetzen und somit alle Seiten überdenken soll zumindest sofern es sich um die Sache mit ihrem schwulen Vater dreht. Bei Ilsabeth darf sie das aber nicht, denn da ist alles sofort böse-böse-böse. Natürlich steht außer Frage, dass das NS-Regime verbrecherisch war und das, was nach der Machtergreifung folgte beispiellos und grausam war dennoch hätte ich erwartet, dass die Autorin Frieke wenigstens hätte erfahren lassen, warum trotz allem so viele Menschen um 1928 so dachten wie Ilsabeth: schon aus dem Grund, dass es auch die jugendliche Zielgruppe ab 10 Jahren versteht bzw. verstehen lernt.
Frieke sieht die Entwicklung eben mit der Sicht von heute, weil sie im Gegensatz zu Ilsabeth weiß, welche Folgen sich daraus ergaben. In meinen Augen wäre das Buch pädagogisch wertvoller, hätte sie anhand der anderen Familie lernen können, wie es überhaupt zu der glühenden Hitler-Verehrung kommen konnte. Das wurde aber im Keim erstickt.
Des Weiteren sind gegen Ende auch andere Zusammenhänge nicht logisch, doch um nicht zu viel zu verraten, kann ich diese hier nicht näher ausführen. Wie die Sache mit den Zeitreisen schließlich ausgeht hätte mehr Erklärungsbedarf gehabt, den die Autorin hier einfach nicht bringt und so endet die Geschichte schließlich happy-regenbogenbunt und dadurch leider auch wieder ideologisierend, wenn auch in eine komplett andere Richtung.
Mich konnte die Geschichte leider nicht überzeugen, mehr als 2,5 Sterne kann ich nicht vergeben.