Fußball kann vieles sein. Leidenschaft, Drama, Stammtischstoff. In den Siebzigern konnte er aber auch Stil haben. Genau das zeigt dieses großartige Buch über Günter Netzer, und nach ein paar Seiten wird schnell klar, warum dieser Mann weit mehr war als nur ein genialer Spielmacher.
Zwischen alten Fotos, starken Momentaufnahmen und sehr persönlichen Einblicken entsteht hier das Bild eines Fußballers, der irgendwie immer ein bisschen größer wirkte als das Spiel selbst. Netzer war kein braver Mitläufer. Der Mann hatte Haltung, Haare, Stil und vor allem einen linken Fuß, der offenbar Dinge konnte, von denen andere Spieler nur träumten. Beim Lesen tauchen sofort Bilder auf von Borussia Mönchengladbach, von eleganten Pässen und von dieser lässigen Art, die Netzer zu einer echten Ikone gemacht hat.
Besonders stark ist, wie nah das Buch an den Menschen hinter der Legende herankommt. Mode, Autos, Zeitgeist, große Spiele und kleine Geschichten aus einer wilden Fußballzeit. Man merkt schnell, dass hier jemand schreibt, der nicht nur Daten und Fakten sammelt, sondern das Lebensgefühl dieser Ära wirklich versteht.
Das Zeitzeugeninterview bringt zusätzlich richtig Leben in die Seiten. Da spricht kein Denkmal aus Bronze, sondern ein Typ, der Fußball gelebt hat und genau wusste, dass er anders war als viele seiner Kollegen.
Am Ende bleibt ein Buch, das sich anfühlt wie eine Zeitreise in eine Epoche, in der Fußball noch Charakterköpfe hatte. Und ganz ehrlich, während man durch die Seiten blättert, wächst die Erkenntnis: Günter Netzer war nicht nur ein Fußballer. Er war Stil, Haltung und ein Stück Fußballkultur.