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Marianne Weber

Beiträge zu Werk und Person.
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Marianne Weber ist vor allem als Ehefrau Max Webers, als Verfasserin seiner Biographie und Herausgeberin seiner Werke bekannt. Ihr eigenständiges Leben in Wissenschaft und Frauenbewegung wurde dagegen bisher kaum beachtet. Hinweise, etwa auf ihre pro … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Marianne Weber

ISBN: 3161481623
EAN: 9783161481628
Beiträge zu Werk und Person.
Herausgegeben von Bärbel Meurer
Mohr Siebeck GmbH & Co. K

26. November 2003 - gebunden - X

Beschreibung

Marianne Weber ist vor allem als Ehefrau Max Webers, als Verfasserin seiner Biographie und Herausgeberin seiner Werke bekannt. Ihr eigenständiges Leben in Wissenschaft und Frauenbewegung wurde dagegen bisher kaum beachtet. Hinweise, etwa auf ihre profunde Kenntnis des Werkes von Max Weber durch Wilhelm Hennis, blieben im professionellen Diskurs weitgehend unrezipiert.Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um die erste Buchpublikation über Marianne Weber. Die Autorinnen und Autoren untersuchen Marianne Webers Leben und Werk aus verschiedenen Perspektiven und gehen auf den privaten Bereich wie Ehe, Familie und Freundschaften ebenso ein wie auf ihre wissenschaftlichen und frauenpolitischen Arbeiten.Mit Beiträgen von:Guenther Roth, Ingrid Gilcher-Holtey, Christa Krüger, M. Rainer Lepsius, Heide-Marie Lauterer, Klaus Kempter, Margit Göttert, Stephan Buchholz, Theresa Wobbe, Klaus Lichtblau und Bärbel Meurer.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 13.01.2011

Die Rationalismus-Idee hatte er von ihr

Vom Ehealltag mit Max Weber bis zur Frauenbewegung: Die erste Biographie von Marianne Weber vertut zwar eine große Chance, ist aber sehr unterhaltsam.

Mit dem Fortschreiten der Max Weber-Gesamtausgabe ist die wahrlich große Leistung sichtbar geworden, die Marianne Weber nach dem frühem und plötzlichen Tod ihres Mannes am 14. Juni 1920 vollbracht hat. Die Witwe hat von Freunden, Kollegen und Bekannten die Briefe des Verstorbenen erbeten, alle hinterlassenen Manuskripte gesichtet, geordnet und größtenteils ediert sowie in nur fünf Jahren jenes "Lebensbild" geschrieben, das bis heute die Grundlage aller biographisch orientierten Weber-Forschung ist.

Weber-Philologen mögen manche editorische Entscheidung, insbesondere bei der Komposition von "Wirtschaft und Gesellschaft", für falsch halten. Dennoch muss man Marianne Weber hohen Respekt zollen. Erst durch ihre editorische Arbeit ist Max Weber zu jenem Klassiker der Soziologie geworden, der weltweit als faszinierend prägnanter Diagnostiker des modernen okzidentalen Rationalismus verehrt wird.

Indem Marianne sich nach dem Tod von Max ganz der Pflege seines Werkes hingab, hat sie ihn gleichsam wieder zu sich zurückgeholt. Denn die Ehe stand gerade in den letzten Jahren unter einem wenig glücklichen Stern. Max hatte sich, nach seiner Liebesbeziehung zu Mina Tobler, in Else von Jaffé, geborene von Richthofen, verliebt und mit ihr seit dem Spätsommer 1918 eine auch sexuell intensive und emotionsdichte Beziehung begonnen, die Marianne tief verletzt zu haben scheint. Bärbel Meurer will in ihrer Lebensgeschichte Marianne Webers, der ersten Biographie, davon allerdings nichts wissen. Klar gegen die überlieferten Quellen, etwa die pathetischen Liebesbriefe von Max an Else, spricht sie von "im Vergleich eher marginalen tatsächlichen oder vermuteten Beziehungen Max Webers zu anderen Frauen", spekuliert an anderen Stellen aber über die "recht rätselhafte späte Liebesbeziehung Webers zu Else Jaffé" - mit viel vulgärpsychologischen Zutaten. Die siebenundzwanzigjährige Ehe von Max und Marianne sei "in jeder Hinsicht eine glückliche Ehe" gewesen. Dies kann nur schreiben, wer selbst wichtige Quellen nicht kennt.

Bärbel Meurer ist sichtlich bemüht, Marianne zu einer auch intellektuell ebenbürtigen Partnerin ihres genialisch gestörten, immer wieder kranken Max zu adeln. Schon lange vor Max habe sich die Autodidaktin mit wissenschaftstheoretischen Fragen befasst, und ihr Hauptwerk "Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung", erschienen 1907, habe sie ganz eigenständig geschrieben. Überhaupt habe "es eher Einflüsse von ihr zu ihm . . . als umgekehrt" gegeben. Ernsthaft behauptet Bärbel Meurer gar, Max sei "vermutlich durch ihre Verwendung des Rationalismusbegriffs dazu angeregt" worden, "diesen für sich zu übernehmen".

Obwohl die Autorin eine Lebensgeschichte Mariannes vorlegen will, kann sie sich von Max nicht lösen und schreibt in langen, auch langweiligen Passagen nichts über ihre Heldin, sondern seine Veröffentlichungen und Arbeitspläne. Originell sind nur die Exzerpte und Zitate aus den Hunderten von Briefen Mariannes an ihre Schwiegermutter Helene Weber in Berlin, der sie oft Tag für Tag selbst Intimstes aus ihrem Ehealltag berichtete. Auch wer sich für Ehebruch von Ordinariengattinnen mit Privatdozenten, homosexuelle Liebschaften von Professorensöhnen, Konflikte mit "unverschämten" Dienstmädchen und diverse Suchtkrankheiten damals weltberühmter Heidelberger Gelehrter interessiert, findet hier Unterhaltsames.

Meurer zeichnet einerseits das Bild einer sehr selbstbewussten modernen Frau, politisch engagiert, wissenschaftlich innovativ und "eher ungläubig". Andererseits sieht sie in Marianne eine labile, von Tablettensucht geprägte Persönlichkeit. Ihren aggressiven Nationalismus, nicht zuletzt im Ersten Weltkrieg, verharmlost sie ebenso wie die spätere Rezeption völkischer Begrifflichkeit. In Sachen Religion und Christentum verwickelt sie sich in Widersprüche. Ihre Formel von der "säkularen Kulturprotestantin" passt weder zu Mariannes religiös schwärmerischen Zügen noch zu deren kirchenpolitischen Reformagenda. Die Mitarbeiterin an Martin Rades "Die Christliche Welt" engagierte sich gemeinsam mit Ernst Troeltsch im Heidelberger "Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsverein" für die Mission unter den Gebildeten in Japan, knüpfte nach Max' Tod aber auch eine freundschaftliche Beziehung zum dezidiert katholischen Seinsdenker Peter Wust, der durch eine "Auferstehung der Metaphysik" genau jenen modernen Skeptizismus und Relativismus überwinden wollte, dem Max Weber heroisch standzuhalten empfohlen hatte.

Max mag "religiös unmusikalisch" gewesen sein. Doch seine Frau war nicht selten allzu glaubenserregt und stimmte auf dem Religionsklavier auch schrille, schräge Töne an. Sie konnte sich für Romano Guardini - alles andere als ein kritizistischer Kantianer - begeistern und engagierte sich seit 1929 intensiv im sogenannten Köngener Bund, einer von Jugendbewegung und schwäbischem Pietismus geprägten protestantischen Glaubensreformbewegung, die das selbständige und inwendige "Erleben Gottes" jenseits aller dogmatischen Bindungen und kirchlichen Autorität pries. Hier begegnete Marianne auch dem charismatischen Jakob Wilhelm Hauer, der 1933 die sog. "Deutsche Glaubensbewegung" gründete und für die nationalsozialistisch begeisterten "Deutschen Christen" Kirchenpolitik machte. Der Ambivalenz von Mariannes Erlösungsphantasmen wird Meurer nicht gerecht.

Desto mehr sind die Kapitel zu Marianne Webers vielfältigem Engagement in den Vereinen und Verbänden der bürgerlichen Frauenbewegung zu loben. Marianne hat sich auf lokaler wie nationaler Ebene mutig für die Interessen von Frauen eingesetzt, Hilfsvereine für Handlungsgehilfinnen und Arbeiterfrauen gegründet, in Heidelberg gemeinsam mit Camilla Jellinek eine Art Frauenvolkshochschule initiiert und für das Recht von Frauen auf gleichberechtigten Zugang zum Universitätsstudium und speziell auch zu Promotion und Habilitation gekämpft. Die Autorin korrigiert hier überzeugend die ältere Literatur zur deutschen Frauenbewegung.

Vom Charismatiker Friedrich Naumann fasziniert, tritt Marianne nach Kriegsende und Revolution in die linskbürgerliche "Deutsche Demokratische Partei" ein, für die sie in die Badische Verfassunggebende Versammlung einzieht. Als erste Frau überhaupt redet sie gleich am ersten Sitzungstag im Badischen Landtag, über die Aufgaben der Frau im neuen Staat. Allerdings ignoriert die Autorin die Forschung zur DDP in den Anfangsjahren der Weimarer Republik; so kann sie Marianne Webers politische Position nur sehr vage bezeichnen.

Leider sind der Verfasserin zahlreiche Fehler unterlaufen. Nachfolger Max Webers in Heidelberg war nicht sein Bruder Alfred, sondern Eberhard Gothein. Der erste deutsche Soziologentag fand im Oktober 1910 nicht in Heidelberg, sondern in Frankfurt statt. Bei der Schiffsreise von Bremerhaven nach New York Ende August 1904 wurden Max und Marianne von Ernst Troeltsch begleitet, nicht aber von Paul Hensel. Marta Troeltsch blieb in Heidelberg und reiste zu ihren Eltern nach Toitenwinkel bei Rostock, kann also beim sogenannten Amerika-Abend des Heidelberger Nationalsozialen Vereins keine Eindrücke aus den Vereinigten Staaten berichtet haben. Und Gerhard von Schulze-Gaevernitz hat niemals in Heidelberg gelehrt. Bisweilen sind Briefzitate falsch transkribiert und datiert. Selbst einige wichtige Quellenbestände hat die Autorin ignoriert.

Ärgerlich ist auch, dass selbst wichtige neue Sekundärliteratur zu Marianne Weber, und diverse Studien zum Heidelberger Gelehrtenmilieu, speziell auch zu Mariannes Salon, von der Biographin nicht wahrgenommen worden sind. Viele wichtige Heidelberger Freunde und Gesprächspartner werden nicht einmal erwähnt.

Dennoch kann man Spannendes lesen. Dies betrifft insbesondere Mariannes Beziehung zu Paul Geheeb, dem Gründer der Odenwaldschule, den sie 1913 nach Heidelberg eingeladen hatte. Zwei der vier Kinder Lilli Webers, der geliebten jüngsten Schwester von Max, besuchten die Odenwaldschule. Auch gibt Lilli 1917 die beiden anderen Kinder in Geheebs Obhut und tritt hier, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, eine Stelle als Erzieherin und Sekretärin an. Als der verheiratete Geheeb sie nach stürmischen Liebesnächten in der Odenwaldschule von heut auf morgen verließ und andere Affären, auch mit Schülerinnen, einging, brachte sich Lilli am 1. April 1920 in Heidelberg um; die Trauerfeier hielt der mit Marianne gut bekannte Heidelberger Stadtpfarrer Otto Frommel, ein Troeltsch-Schüler.

Trotz Geheebs "Schuldgefühlen" sah Marianne in der Odenwaldschule zunächst ein "Kinderparadies", selbst wenn hier nicht genügend auf die Schulleistungen geachtet werde. Doch im April 1921 berichtet sie Else Jaffé davon, dass - wahrscheinlich - Kurt Cassirer, ein Bruder von Paula Geheeb, die damals siebzehnjährige Klara, Lillis jüngste Tochter, immer wieder missbrauche. "Cassirer küßt das Kind u. besuchte sie in Lisa's Abwesenheit heimlich wenn sie abends im Bett lag. Unverantwortlich! (Bitte davon schweigen)". Klaus Mann, 1922/23 Schüler der Odenwaldschule, hat nicht geschwiegen und in seiner Erzählung "Der Alte" einen stark an Paul Geheeb erinnernden Lehrer porträtiert, der seine Schülerinnen sexuell nötigt.

Bärbel Meurer geht selbst davon aus, dass ihr "Buch über Marianne Weber für lange Zeit die einzige Monographie und Biographie bleiben wird". Dies mag zutreffen. Desto mehr gilt: Hier ist eine große Chance vertan worden. Auf eine wirklich quellengestützte Lebensgeschichte der faszinierenden, schwierigen Frau an Max' Seite müssen die Frauenforschung und die Max Weber-Forschung weiter warten.

FRIEDRICH WILHELM GRAF

Bärbel Meurer: "Marianne Weber". Leben und Werk.

Mohr Siebeck, Tübingen 2010. 688 S., Abb., geb.

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