1985: Die 19jährige Anna, ein Mädchen vom Land, das in Dublin als Lehrerin arbeitet, trifft auf den fast doppelt so alten Peter - es ist der erste Mann in ihrem Leben, sie ist von ihm beeindruckt und vertraut ihm, zumal er irgendwann bereit ist, mit ihr zu leben, sie zu heiraten. Auch wenn er fast nie zu Hause ist. Anna ist hochintelligent und weiß sich alleine zu beschäftigen, dennoch wartet sie jahrelang auf ihn, harrt aus. Das dieses eine unbewusste Suche nach dem, was ihr wirklich wichtig ist, bedeutet, fiel mir erst im Handlungsverlauf allmählich auf. Zunächst ist Anna lange mit dem deutlich älteren Peter zusammen, dessen Leben sie teilt. Er aber nicht ihres - sie schneidet ihr Leben auf seine Bedürfnisse zu und er macht, was er will. Über lange Jahre hinweg, bis Anna irgendwann merkt, dass er sie ausnutzt und sich trennt.
Sie findet zu ihrem eigenen Leben, trifft aber einige Jahre später Karim, einen gläubigen Muslim aus Algerien. In ihrem Bedürfnis, auf den geliebten Mann einzugehen, findet sie zum Islam. Karim lässt nicht zu, dass Anna diesen Glauben nach ihren eigenen Vorstellungen lebt und beschneidet dadurch wiederum ihr Leben, Bereiche daraus, in denen sie zunächst freiwillig auf ihn eingegangen ist, in dem Bedürfnis, diese mit ihm zu teilen.
Nun, als Frau im mittleren Alter, vermag sie sich schneller aus dieser Enge zu lösen und ihre eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Ein ruhiger, in einem recht lakonischen Stil geschriebener Roman, der gerade deswegen kraftvoll auf mich wirkte und mich überzeugte. Es passiert nicht viel und gleichzeitig geschieht so viel - im Inneren der Protagonistin. Zumal ich im selben Alter bin und trotz der unterschiedlichen Lebenswege einige ähnliche Erfahrungen gemacht habe - gerade, was Entwicklungen und Wertvorstellungen angeht. Auf eine zurückgenommene Weise ist dieser Weg Annas zu ihren eigenen Bedürfnissen ein sehr starker.