Die neunzehnjährige Liesel Wachauf wurde liebevoll von ihrer Großmutter Emmi aufgezogen, weil ihre depressive Mutter Melanie das nicht konnte. Doch nun ist Emmi dement und lebt in einem Pflegeheim. Liesel muss sich um alles kümmern, und dennoch besucht sie ihre Großmutter fast jeden Tag. Über ihre Familie weiß sie kaum etwas, denn wenn sie Fragen gestellt hat, ist ihre Großmutter stets ausgewichen. Daher will sich Liesel nun auf Spurensuche in Ostpreußen begeben, woher Emmi stammt. Auf dieser Reise wird sie dann von Emmis polnischem Pfleger Jascha und Emmi begleitet.
Erzählt wird diese Geschichte aus der Perspektive von Liesel, die für ihr junges Alter schon viel Verantwortung trägt und sich sowohl um ihre Mutter als auch um ihre Großmutter kümmert. Beim Lesen war ich ganz dicht an ihr und konnte so ihre Gedanken und ihre Gefühle nachvollziehen. Mir hat es imponiert, dass sich Liesel auf den Weg macht, obwohl sie ja kaum Anhaltspunkte hat. Sie erwartet auch nichts von dieser Reise, hofft aber, dass sie erfährt, warum Emmi ihren Fragen immer ausgewichen ist. Auch wenn das Schicksal ihr einiges abverlangt, so bleibt sie doch zuversichtlich. Auf der Reise wird sie noch reifer und dann versteht sie, was sie alle geprägt hat. Emmi und Melanie haben Dinge erlebt, die traumatisch waren. Es ist manchmal schwer zu ertragen, was den Frauen in Kriegszeiten und während der Flucht widerfahren ist. Mir hat es auch gefallen, wie Jascha Liesel dazu bringt, sich aus festgefahrenen Gedanken und Handlungen zu lösen.
Dieser einfühlsame Roman der Autorin Franziska Jebens ist lesenswert, auch wenn er schwere Themen wie Krieg und Flucht, Depression und Demenz, Liebe und Schuld behandelt.