Die deutsch-iranische Journalistin Natalie Amiri hat in diesem Monat den Minerva Award in der Kategorie Nations Voice Germany gewonnen. In der Begründung wird
ihr mutiger Einsatz für Aufklärung sowie ihre Berichterstattung gelobt, die journalistische Exzellenz mit moralischer Klarheit verbindet.
Und so ist dieses Buch, aktuellmitten im Konflikt.
Schonungslos berichtet die ARD-Reporterin und Journalistin über ihre Begegnung mit Menschen im Nahen Osten. Sie besucht die Orte und sammelt akribisch Hintergrundinformationen.
Ihr Buch beginnt mit dem 7.Oktober 2023, dem Attentat der Hamas auf Israel.
Aber sie berichtet auch über den folgenden Krieg im Gaza-Streifen, ein erbarmungsloses israelisches Militär und die katastrophalen humanitären Verhältnisse für die Bevölkerung.
Amiri liefert keine schnellen Antworten, denn Worte sind in dieser Region mehr als nur Worte. Jeder Satz, jeder Ton wird sofort Teil des Konflikts.
Sehr klug liefert die Autorin Einblick in die komplexen Zusammenhänge im Nahen Osten ohne dabei direkt Stellung zu beziehen. Stattdessen liefert sie Berichte von Augenzeugen und Interviewpartner*innen sowie zahlreiche Hintergrundinformationen. Das ist erschütternd genug und benötigt keine Kommentare.
Sie betrachtet auch die Berichterstattung in den deutschen Medien, die Macht der Bilder, die Rolle von Jounalist*innen, die einfache Zuordnung auf welcher Seite sie stehen und ruft nach unabhängigem Journalismus im Namen der Menschlichkeit. Doch über Israel und Palästina zu sprechen, ist alles andere als einfach. Es ist kompliziert, man wird angegriffen, viele sind unsicher, weil das Thema so komplex ist.
Die Feinde Israels, allen voran der Iran mit seiner Finanzierung der Proxies,
der Libanon und die bröckelnde Macht der Hisbollah, die Befreiung Syriens, die Situation der Kurden, die Zukunft des Iran. All diesen Themen widmet sie sich differenziert auf den über 400 Seiten ihres Buches.
Wer ist eigentlich auf der richtigen Seite, wenn es um Krieg, Zerstörung, Tote und menschliche Schicksale geht. Und wer wird die Traumata dieser Menschen jemals heilen können?
Es ist keine leichte Lektüre, die Berichte und Hintergrundinformationen sind erschreckend, aber ich bin froh, dass ich wieder etwas mehr von den komplexen Zusammenhänge im Nahen Osten verstanden habe und hoffe auf weitere mutige und differenzierte Analysen von Natalie Amiri.