Sehr skurril, und für mich ist keine Pointe erkennbar
Von skurrilen Büchern wollte ich dieses Jahr eigentlich die Finger lassen, aber hier ist wieder eins, dass sehr besonders und im Ganzen für mich nicht erfassbar istMatthias Kaiser, 64 Jahre jung, hat ein Selbstbild, das zwischen Jammerlappen und Resignation changiert. Er hat mehrere Ehen hinter sich und eine ganz besondere Beziehung zu Affen. Er schreibt drüber, er redet von Ihnen, und er fantasiert sie sich zusammen. Er hatte selbst mal einen, als Spielkameraden. Als er mit Monika in Kontakt gerät und sie ihm ein Bild von einem Affen schickt, ist es um ihn geschehen. Er verliebt sich Hals über Kopf, will sich mit ihr treffen und das nicht aus einem romantischen Gefühl heraus. Nein, seine leidenschaftlichen Ambitionen inklusive unerwarteter Erektion, sind ab da das Thema. Dabei stellt er sich ständig infrage, ob er es denn wert ist und ob sie ihn wohl wirklich will. Aus ihm spricht gleichzeitig Eitelkeit und ein merkwürdiges Gefühl, dass ich als "von sich selbst abgestoßen sein" beschreiben würde.Es kommt zu einem Treffen, und jetzt wird's richtig affig. Zuckerbrot und Peitsche ist die Methode mit der Monika ihn bei Stange hält. Zum Zuge kommt unser armer Professor nicht. Das bereitet ihm Schmerzen im wahrsten Sinne des Wortes. Um endlich Erlösung zu finden, macht er sich in meinen Augen ziemlich zum Affen. Rührt daher der Titel des Buches? Ich weiß es nicht.Generell kann ich euch nicht genau sagen, was dieses Buch wirklich will.Dragnic schreib virtuos und füllt den Text mit Wortspielereien, die sich nicht nur einmal auf das Wort "Affe" beziehen. Stilistisch wirkt der Text im besten Sinne älter als er ist. Wüsste ich es nicht besser so würde ich meinen, dass die Lektüre von einem Mann über 60 verfasst wurde und zwar um 1930. Das macht auf jeden Fall die Vielseitigkeit der Autorin deutlich, deren Art Sprache und Inhalt zusammenzuführen ich schon im Roman "Zwischenschritte" sehr zu schätzen wusste. Aber manchmal schlägt sie hier über die Stränge: Warum der Protagonist beim Anblick seiner Erektion meint, das einzige, was jetzt richtig scheint, ist seine Tochter anzurufen, kann ich zwar irgendwie noch zusammenbringen, wenn es um das Thema Fruchtbarkeit geht, aber sowas möchte ich nicht lesen. Was diesen Roman betrifft, bleibe ich inhaltlich ein bisschen ratlos zurück. Wollte Dragnic sich austoben? Das ist geglückt! Wollte sie eine bestimmte Spezies (und damit meine ich nicht die Affen) in den Mittelpunkt stellen? Auch das scheint gelungen. Aber der tiefere Sinn oder die Pointe geht an meiner Auffassungsgabe leider total vorbei.Wenn ihr also auf Geschichten abfahrt, die sich jenseits des Mainstreams bewegen, eine gehörige Portion Erotik, in der ein über 60-jähriger im Mittelpunkt steht, nicht verschmäht und Textspielereien liebt, dann empfehle ich euch dieses Buch sehr. Für mich war es leider nichts und ich war sehr froh, dass es sich ganz schnell und unkompliziert liest.