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Am Anfang von "When Shadows Darken the Sun" begleiten wir die Zofe Cass, die gemeinsam mit anderen ausgewählten Mitglieder des Taghofes und ihrer Prima zum Nachthof reist, wo alle 30 Jahre die Tag-und-Nacht-Spiele stattfinden. In diesem Wettbewerb treten die Prima des Taghofes und der Primus des Nachthofes in drei Prüfungen gegeneinander an, um ein mächtiges Amulett zu gewinnen und damit die Herrschaft über einen dritten Hof zu erlangen. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Cass und Nox, dem Primus des Nachthofes.
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir zunächst schwer, da mein Interesse am Anfang noch nicht wirklich geweckt wurde. Die Handlung wirkte etwas zäh und konnte mich nicht direkt fesseln. Im Verlauf des Buches wurde das zwar besser und ich wurde neugieriger, jedoch hat mich die Geschichte erst gegen Ende wirklich gepackt und konnte dort mit Spannung überzeugen.
Die Welt ist grundsätzlich interessant aufgebaut, wirkt aber gleichzeitig recht simpel.
Der Taghof steht für Licht, Lichtmagie, helle Kleidung, ein goldenes Erscheinungsbild, und hat einen Lichtwolf als Reittier,
während der Nachthof mit Schatten, dunkler Magie, dunkler Kleidung und schwarzen Panthern als Reittieren kontrastiert wird.
Der dritte Hof, um den es bei den Spielen letztlich geht, bleibt im ersten Band jedoch noch sehr vage und wird kaum näher beleuchtet. Auch das Magiesystem und die allgemeine Weltgestaltung hätten für meinen Geschmack mehr Tiefe vertragen können.
Ein großer Kritikpunkt ist für mich der starke Fokus auf die Gedanken der Charaktere. In beiden Perspektiven lesen wir überwiegend innere Monologe statt tatsächlicher Handlungen oder Dialoge. Das macht die Geschichte stellenweise sehr langatmig, zumal sich viele Gedanken wiederholen. Auch die Romance zwischen Cass und Nox leidet darunter: Sie findet lange Zeit hauptsächlich in ihren Köpfen statt und entwickelt sich erst später, als sie auf der Reise zu einem Heiler tatsächlich mehr miteinander sprechen. Wirklich interessant wurde die Beziehung für mich erst kurz vor und während der Spiele, auch im Zusammenhang mit dem Plot Twist. Diesen habe ich allerdings schon früh vorhergesehen, weshalb einige Entscheidungen besonders kurz vor den Spielen auf mich eher naiv wirkten. Zudem enthält die Geschichte ein Art Miscommunication-Trope, der mir persönlich meistens nicht gefällt.
Die Tag-und-Nacht-Spiele selbst beginnen erst bei etwa 70 % des Buches, was ich als sehr spät empfunden habe. Davor zieht sich die Handlung teilweise stark, insbesondere durch den Handlungsstrang rund um die Verletzung eines Begleiters durch den Nebel und die anschließende Suche nach einem Heiler. Die Spiele selbst nehmen dagegen nur einen relativ kleinen Teil der Geschichte ein. Durch die drei Prüfungen und zusätzliche Ereignisse dazwischen bleibt jeder einzelnen Herausforderung wenig Raum. Die erste Aufgabe fand ich noch interessant, die zweite war sehr vorhersehbar, und die dritte war für mich die spannendste und gelungenste.
Trotz einiger Schwächen hatte die Geschichte durchaus ihre unterhaltsamen Momente und hat insgesamt Spaß gemacht, auch wenn sie stellenweise sehr langsam erzählt ist und sich an einigen Klischees bedient. Das Ende kommt mit einem Cliffhanger und macht neugierig auf den zweiten Band. Direkt nach dem Lesen wollte ich eigentlich wissen, wie es weitergeht, bin mir aber aufgrund der Längen noch unsicher, ob ich sofort weiterlesen werde.
Insgesamt hat das Buch eine spannende Grundidee und Potenzial, zeigt aber auch deutlichen Verbesserungsbedarf, vor allem beim Pacing, der Ausarbeitung der Welt und der Dynamik zwischen den Charakteren. Ich hoffe, dass der zweite Teil der Dilogie diese Punkte stärker ausarbeitet.
Danke an NetGalley und den LYX Verlag für das Rezensionsexemplar (eBook). Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.