Iro träumt von der Zukunft. Aus einem Dorf in der Elfenbeinküste zieht er in die Metropole Abidjan, er studiert Literatur, will sich mit Geschichten anfüllen, die Welt erfahren. Er träumt von Licht, von Geld, frei von Schuld und Scham zu sein.
Seine Familie ist von Auseinandersetzungen, von Niedertracht und Bösartigkeit zerfressen, es klafft ein Abgrund aus Machtansprüchen und festgefahrenen Narrativen. Doch als sein als Versager belächelter Vater stirbt, kehrt er heim. Er stellt sich seiner Vergangenheit.
Zart und wild, einfühlsam und hochgradig komplex entspinnt Nincemon Fallé die Geschichte eines jungen Menschen in einem Land, das ebenso auf der Suche nach dem Glück ist wie er selbst.
Wer in der Elfenbeinküste geboren ist, wächst in der Überzeugung auf, am falschen Ende der Welt geboren zu sein. Ein lang gehegter Glaubenssatz. Aber Iro erkennt die Muster, erkennt, dass es mehr als eine Wahrheit gibt.
Diese glühenden Sonnen erzählt eine harte, traurige und trotzdem strahlende Geschichte von Mut, der Suche nach Heimat und einer reichen Kultur in einem Land mit den unterschiedlichsten Gesichtern. Es erzählt von der himmelweiten Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land und unfassbar fokussierten jungen Menschen, die gegen alle Widerstände ihre Träume verfolgen. Auch, wenn sie so arm sind, dass sie nachts im Hörsaal schlafen.
Zwischen zahlreichen Ethnien, rasantem Wachstum, patriarchalen Familienstrukturen, anarchischen Zuständen, Willkür und Gewalt. Inmitten der progressiven Dynamik eines Landes im Aufbruch scheint dennoch alles möglich.
Diese glühenden Sonnen ist getragen von einer so eingängigen Sprache, dass sich die Farben, die Landschaft und die Lebenssituationen der Elfenbeinküste wie selbstverständlich entfaltet. Das Ende ist ein Märchen. Debattierbar.
Dennoch eine klare Leseempfehlung. Es öffnet Horizonte.