Pia Puck Wirbel im Wichtelhaus von Nora Hoch ist ein liebevoll erzähltes (Vor-)Lesebuch für Kinder ab etwa fünf Jahren. Im Mittelpunkt steht die kleine Wichtelin Pia Puck, die seit vielen Jahren heimlich im Brombeerhaus von Frau Kamille lebt. Dort sorgt sie für Ordnung, wo Frau Kamille es nicht mehr kann und unterhält ihre Freunde mit kleinen Streichen. Sie kümmert sich auf ihrem Dachboden um verletzte Tiere und trifft sich nachts mit ihren tierischen Freunden, wie dem verfressenen Waschbären Pit. Doch Wichtel haben eine wichtige Regel: Sie dürfen niemals von Menschen entdeckt werden.
Als Frau Kamille immer vergesslicher wird und plötzlich ihre Familie mit drei Kindern bei ihr einzieht, gerät Pias ruhiges Leben gehörig durcheinander. Zwischen Streit, Trubel und ungewohnten Veränderungen muss sie ihre Geheimnisse bewahren.
Als die jüngste Tochter Wanda nach einem Streit in den Wald flüchtet und verschwindet, trifft Pia eine mutige Entscheidung: Sie setzt alles daran, das Menschenkind zu retten auch wenn sie dabei selbst in große Schwierigkeiten gerät.
Die Geschichte verbindet auf schöne Weise Magie mit alltagsnahen Themen. Pia ist eine unglaublich sympathische Hauptfigur, die man sofort ins Herz schließt. Mit ihrer hilfsbereiten Art, ihrem Mut und ihrem großen Herz ist sie genau die Art von Wichtelin, die man sich gerne im eigenen Haus wünschen würde.
Neben der spannenden Rettungsaktion greift das Buch viele wichtige Themen auf. Freundschaft, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft stehen im Mittelpunkt, aber auch Einsamkeit im Alter und erste Anzeichen von Demenz werden behutsam angesprochen, zumindest haben wir das so interpretiert.
Die Familie im Brombeerhaus empfand ich stellenweise etwas anstrengend. Vor allem der Umgang der Geschwister miteinander wirkt anfangs recht hart, da vieles auf der jüngsten Tochter Wanda ausgetragen wird. (Ist vielleicht aber auch das klassische Geschwister-Thema klein gegen groß)
Zwar entwickelt sich die Familie im Laufe der Geschichte weiter und wächst in schwierigen Momenten zusammen, dennoch wirkte dieser Wandel auf mich etwas schnell erzählt. Gleichzeitig dürfte sich so manche Familie in diesen Dynamiken durchaus wiedererkennen. Streits unter Geschwistern kennt ja nun wirklich jeder.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und eignet sich sehr gut zum Vorlesen oder für erste eigene Leseerfahrungen. Die einfachen Illustrationen lockern die Geschichte auf und begleiten den Text schön, auch wenn sie nicht immer exakt zu den beschriebenen Szenen passen. Dadurch entsteht gelegentlich etwas Verwirrung, insgesamt unterstreichen sie aber den märchenhaften Charakter der Geschichte.
Einige Szenen sind emotional und könnten jüngere Kinder durchaus traurig stimmen. (Weiterlesen ist also Pflicht, um das gute Gefühl zurückzuholen!) Gleichzeitig vermittelt das Buch immer Hoffnung und endet auf eine schöne, versöhnliche Weise.
Pia Puck Wirbel im Wichtelhaus ist eine warmherzige Wichtelgeschichte mit einer liebenswerten Heldin, viel Magie und wichtigen Botschaften über Familie, Freundschaft und Zusammenhalt. Ein schönes Vorlesebuch für Kinder ab etwa fünf Jahren, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Mitfühlen und Nachdenken einlädt.