Manchmal sitzt man da, liest drei Zeilen und denkt sich: Verdammt, der Mann hat recht. Und gleich danach kommt ein Gedanke, bei dem ich kurz die Stirn runzeln musste und innerlich ein kleines Na ja, Otto gemurmelt habe. Genau das macht Kegeljunge für mich aber so herrlich lebendig.
Otto Jägersberg braucht keine große Bühne. Ein Essen, eine Zugfahrt, der Gang zum Bäcker oder eine Flasche Bier reichen völlig aus. Er schaut hin, denkt ein bisschen weiter als der Rest von uns und schreibt es auf. Mal scharfsinnig, mal melancholisch, mal so trocken, dass der Humor erst zwei Sekunden später im Kopf ankommt.
Dabei liest sich das Buch für mich weniger wie klassische Prosa und mehr wie ein ziemlich kluges Gespräch mit einem älteren Herrn, der schon einiges gesehen hat und sich die Freiheit nimmt, zu allem eine Meinung zu haben. Und ehrlich, solche Menschen höre ich gerne reden. Zumindest solange ich zwischendurch meinen Kaffee trinken darf.
Nicht jede Beobachtung hat mich gleichermaßen erwischt. Bei manchen Texten war ich sofort dabei, andere sind eher an mir vorbeigeschlendert. Dafür gab es immer wieder diese kleinen Sätze und Gedanken, bei denen ich das Buch kurz schließen musste. Nicht weil sie schwer waren, sondern weil da plötzlich mehr drinsteckte, als ich zunächst erwartet hatte.
Kegeljunge ist kein Buch zum Durchjagen. Eher eins für den Sessel, den Kaffee und diese zehn Minuten, in denen eigentlich niemand etwas von einem will. Klug, eigenwillig und angenehm unaufgeregt. Otto Jägersberg schaut auf die Welt und ich habe ihm dabei wirklich gerne über die Schulter gesehen.