Wie ist das, wenn man in die Vergangenheit eintaucht und noch einmal ganz lebendig in Erinnerungen schwelgen will? Wenn man die Vergangenheit nicht loslassen kann und der Abschied einen Neuanfang überschattet? Wenn Dankbarkeit zur Last wird oder der Fluss der Zeit sich in einem angstvollem Moment des Wartens ewig hinzieht? Diese fünf Kurzgeschichten vereinen sprachliche Präzision und erzählen mit philosophischer Tiefe von eindrücklichen Momenten. Dabei endet jede Geschichte mit einem gefühlten Paukenschlag, manchmal laut und manchmal leise. Wobei «Tödlicher Lärm» mich in seiner Drastik am meisten überrascht hat und das Konzept umzukehren scheint.
Unverkennbar betrachtet Pascal Mercier nicht nur die direkte Erfahrung seiner männlichen Figuren, sonder zeigt auch außenstehende Personen und ihre Eindrücke, wie in «Die Übergabe», in der der Vorbesitzer den Käufern sein Haus übergibt, wobei seine Gefühlswelt sich nur durch seine skurrilen Handlungen erahnen lässt: kaum auszuhaltenWir gehen auf dünnem Eis. Oder Jan Winter, der sich mit seinem Sohn unterhält und unerwarteten Halt bei seiner Familie findet. Im Fluss der Zeit stehen wir nie allein und begeben uns in Momente der Nostalgie, Angst, Vorfreude, Dankbarkeit und ihren Schattenseiten.
Wir hatten es nicht in der Hand, wie wir empfanden, und das Empfinden war mächtiger als unser Wunsch, es möge ein anderes Empfinden sein.
Wenn man kurze Geschichten, besondere Momentaufnahmen, eine fokussierte und doch tiefgründige Handlung mit wenigen Charakteren mag und Lust hat, auf unterschiedliche Ausgänge, die zum Nachdenken anregen und sprachlich überzeugen, dann ist «Der Fluss der Zeit» wunderbar für Zwischendurch und alle Kurgeschichten-Fans geeignet.