Als ein ehrliches persönliches Nachdenken eines 70jährigen über das, was vermutlich noch kommt, ist das Buch eine anregende Lektüre. Allerdings ist es offensichtlich nicht gut lektoriert, sonst kämen nicht solche Fehler vor, wie zum Beispiel auf S. 190, wo der Unfall von Jeremy Renner auf den Silvesterabend 2023 datiert wird. Laut Wikipedia fand er am Neujahrsmorgen 2023 statt. Auf S. 216 wird Ernest Renan (1823-1892) zitiert, in der Bibliographie wird kein Werk von ihm aufgeführt. Gleich im Anschluss an das Zitat heißt es Napoleon fügte hinzu.. - Auch von ihm findet sich keine bibliographische Angabe. Rein zeitlich kann dies ja wohl nicht stimmen.
Auf S. 19 heißt es Bisher zweitältester Mensch ist die Klosterschwester André... Sie wurde 118 Jahre alt. Sie war laut Wikipedia, als sie 2023 starb, der älteste lebende Mensch, aber nur an 4. Stelle der ältesten Menschen.
Erschüttert war ich, als ich auf S. 204 die Aufzählung las, warum bei Jesus ähnlich wie Buddha und Konfuzius sein Leben und seine Lehre genügt hätten, ihn unsterblich zu machen. Er hätte u.a. den Auftrag zur Mission erteilt. Nach dem Zeugnis der Evangelien hat er seine Jünger zwar je zu zweit in Israel ausgesandt, doch den Auftrag seine Lehre zu allen Völkern zu bringen und zu taufen hat er erst als Auferstandener erteilt, wozu es dann bekanntlich auch gekommen ist, wie schon in der Apostelgeschichte berichtet wird.
Auf S. 110 schreibt Seewald, dass Boomer im Unterschied zu den Menschen 1916, als das Rentenalter festgesetzt wurde, heute im Schnitt auf mehr als 80 Jahre Lebenszeit hoffen. Laut lebenserwartung.info kommen Männer des Geburtsjahrs 1955 aber in Deutschland auf 65,97 Jahre und Frauen auf 70,49 und die 1965 geborenen Männer auf 67,88 und Frauen auf 73,31 Jahre. Wenn es auf den Sterbetafeln heute besser aussieht, dann sind dies Menschen, die eben vor 80 und mehr Jahren geboren wurden, aus deren Jahrgängen aber auch schon sehr viele verstorben sind. Die meist angegebenen mehr als 80 Jahre Lebenserwartung gelten jedoch nur für die heute geborenen Kinder. Das hat also Seewald hier nicht berücksichtigt.
Nicht angesprochen hat Seewald, dass das heutige Problem der zu viel Rentner eigentlich ein Problem der zu wenig Kinder in Deutschland seit mehr als 50 Jahren ist. Weiterhin fehlt mir ein Ansprechen der Demenz, insbesondere der Alzheimer-Problematik im Blick auf das heutige Altwerden im Vergleich zu früheren Zeiten.
Entdeckung der Ewigkeit als Titel des Buches ist für Atheisten und Suchende möglicherweise ein Titel, der zum Kauf des Buches motiviert, verschleiert aber, dass zu mal in der Physik und auch Philosophie mindestens seit Augustin das eigentliche Problem ist, was eigentlich die Zeit ist und ob es sie überhaupt gibt. Ihre Definition mit dem 2. Hauptsatz der Wärmelehre ist für Laien ja kaum nachvollziehbar.
Die so zahlreichen Zitate von Philosophen seit der Antike zum Thema verbauen den Blick auf das zur jeweiligen Zeit prägende Verständnis des Todes bei der Bevölkerung. Kaiser konnten bei den Römern zu Göttern erklärt werden und damit als unsterblich gelten, aber doch nicht Sklaven. Durch das Christentum wurde aber allen Menschen diese Möglichkeit denkbar und zwar im Unterschied zu den Totenkulten seit Urzeiten ohne Grabbeigaben für die Reise, ohne Totengeister, die man besänftigen muss, weil sie einem sonst schaden..., ohne die damit verbundenen Kosten und Lebenszeit, die diese Art des Weiterlebens für die Lebenden bedeuteten und bis heute in den entsprechenden Kulturen bedeuten.