Einen Roman von Raffaela Romagnolo zu lesen, bedeutet, mit den Figuren am Tisch zu sitzen, mit ihnen Briefe zu schreiben, Postkarten aus Zügen zu werfen wie eine Flaschenpost, aus den langen Güterwaggons Richtung Hölle auf Erden. Vielleicht kommen sie an, denn die Hoffnung ist es, an die sich der Mensch klammern kann.
Raffaela Romagnolo zu folgen bedeutet, die Welt um sich herum zu vergessen, das Dasein etwas besser zu verstehen und wieder zu wissen, dass Literatur alles ist. Sie erfasst das zutiefst Menschliche, erzählt von unerklärlichem Schrecken und gleichzeitig von Engagement, Liebe und Güte.
Ausgehend von Zeitungsartikeln, Dekreten und historischen Dokumenten erzählt Die Sterne ordnen eine Geschichte im und nach dem faschistischen Italien. Hoffnung und Leid liegen eng beieinander. Sie folgt dem Schicksal der Familie Sacerdoti, der jungen Ester, die im Krieg von ihren Eltern getrennt wird und mit falschen Papieren in einem Kloster Zuflucht findet. Ester spricht nicht mit Menschen, zu tief sitzen Misstrauen, Verrat und Angst aus furchteinflößenden Kriegsjahren.
Sie landet in der Klasse der 22-jährigen Gilla, die Ester mit Geduld, Verständnis und dem festen Blick auf die Zukunft den Aufbruch in eine neue Zeit ermöglicht.
Als Tochter eines Uhrmachers repariert Gilla ein altes Sternenmodell, erklärt den Kindern die uralte Ordnung der Sterne, spiegelt das Weltgeschehen an den überlieferten Sagen der Götter, schenkt Orientierung, in einer Zeit, in der nichts ferner liegt als das Urvertrauen in das Weltenschicksal.
Es gibt kaum Worte, die beschreiben können, was Raffaela Romagnolo hier gelingt. Sie dringt in die tiefsten Empfindungen ihrer Figuren vor, lässt sie lebendig durch die Straßen laufen, in Bänken kauern, an Türen lauschen. Intensiv ist das Leseerlebnis, eine Zeit wird lebendig, eine Epoche erlebbar, das Buch wird magnetisch, die Geschichte bleibt.