Im Leben geht es nicht darum, auf das Ende des Sturms zu warten, sondern darum, im Regen zu tanzen.
Dieses schwedische Sprichwort steht am Anfang des Romans und passt wunderbar zu den drei Frauen, deren Wege sich auf der schwedischen Insel Färingsö kreuzen.
Marga, Mitte siebzig, ist vor vielen Jahren aus Deutschland ausgewandert und lebt inzwischen etwas abgeschieden in ihrem Waldhaus. Ein schwerer Schicksalsschlag hat tiefe Spuren hinterlassen.
Judith, knapp fünfzig, wird nach zwanzig Jahren Ehe von ihrem Mann verlassen. Um Abstand zu gewinnen und wieder zu sich selbst zu finden, kehrt sie aus Hamburg an einen Ort zurück, den sie aus ihrer Kindheit kennt. Die Insel ihrer Jugend soll ihr helfen, sich neu zu sortieren. Beruflich hat sie als Programmleiterin in einem Verlag ihren Weg gemacht, doch privat steht plötzlich vieles auf dem Kopf.
Auch Evi ist an einem Wendepunkt angekommen. Die 45-jährige Künstlerin lebt in London und verdient ihr Geld mit dem Malen. Doch eine rheumatoide Arthritis macht ihr zunehmend zu schaffen. Ihre Hände werden taub und steif, ausgerechnet das, was sie für ihre Kunst am dringendsten braucht, droht ihr immer mehr zu entgleiten.
Nach dreißig Jahren Funkstille treffen Judith und Evi zeitgleich auf der Insel ihrer Jugend ein. Beide haben mit ihrer Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart zu kämpfen. Dass sie einander gerade jetzt mehr brauchen, als sie zunächst ahnen, wird erst nach und nach deutlich. Marga wird dabei zum Bindeglied zwischen den beiden und zu einem wichtigen Teil dieser besonderen Begegnung.
Drei Frauen, die sich nicht gesucht, aber dennoch gefunden hatten. (Zitat S. 298)
Die Atmosphäre auf Färingsö bei Stockholm ist so greifbar, dass man beim Lesen beinahe den modrigen Geruch von Judiths Fischerhütte und die klare Waldluft rund um Margas Haus in der Nase hat. Besonders berührt hat mich, wie bildhaft die Erschöpfung, aber auch die stille Stärke der drei Frauen beschrieben wird. Sie sind vielschichtig und glaubwürdig gezeichnet, Frauen mit Haltung und Herz, die sich von den Brüchen in ihrem Leben nicht unterkriegen lassen.
Es geht um Verlust, Freundschaft, Vergebung und darum, den eigenen Weg auch dann weiterzugehen, wenn das Leben ganz andere Pläne bereithält. Dabei zeigt sich, wie wertvoll Menschen sein können, die zur richtigen Zeit an unserer Seite stehen.
Die Lebensweisheiten am Ende der Kapitel hätten es für mich nicht gebraucht. Sie wirkten stellenweise wie austauschbare Kalendersprüche und haben mich eher aus der Geschichte herausgeholt.
Ein Roman, der nicht laut sein muss, um zu berühren. Romy Fölck erzählt ruhig und atmosphärisch von Verlust, Freundschaft und Neuanfängen. Die Geschichte hat mich gut unterhalten, ohne auf große Überraschungen oder dramatische Wendungen zu setzen. Stattdessen entfaltet sie ihre Tiefe ganz unaufgeregt und führt die drei Frauen und ihre Geschichten behutsam zusammen. Wie das Sprichwort zu Beginn des Romans geht es letztlich darum, sich dem Leben zu stellen und auch im Regen weiterzutanzen.