Auch diesmal hat die Autorin Roswitha Gruber wieder die wahre Geschichte aus dem bäuerlichen Milieu erzählt. Bei der Beerdigung ihres Großvaters entdeckt Helene ein Grabkreuz mit dem Namen Therese Mühlberger, geboren 1898, gestorben 1940. Trotz wiederholter Nachfrage bei ihrer Mutter, wer dies war, erhält sie nie eine Antwort. Darum beginnt Helene selbst zu recherchieren. Nach und nach kommen Bruchstücke zusammen, die das tragische Leben ihrer Großmutter beschreiben. Therese wuchs in einer kinderreichen, kleinbäuerlichen Landwirtschaft auf. Schon früh mußte sie sich als Haushaltshilfe verdingen, arbeitete auch in einem Krankenhaus. Wegen ihrer guten Auffassungsgabe konnte sie eine Ausbildung als Krankenschwester beginnen. Man erwartete allerdings von den Schwesternschülerinnen, dass sie dafür in den Orden eintreten. Therese widersetzte sich und konnte ihren großen Traum erfüllen und wurde Hebamme, Sie heiratete, bekamt selbst eine Tochter. Doch dann erkrankte sie schwer, hat sich bei einer Wöchnerinnen mit Syphilis angesteckt, wurde dadurch psychisch krank und kam in eine Heilanstalt. Doch beim Hitlerregime wurde Euthanasie groß geschrieben, Thereses Leben endete in der Gaskammer. Und nie wurde in der Familie über die schwere psychische Erkrankung von Helene gesprochen. Das Buch ist mit großer Akribie geschrieben, die Autorin zeigt uns mit ihren besinnlichen Worten das Leben und das Leid der Familie und das Schweigen über Generationen hinweg. Über dieses Thema wurde einfach nicht gesprochen. Hier wird mit wirklich großem Gefühl und Eindringlichkeit Thereses Lebensweg beschrieben. Da das Buch in großer Schrift geschrieben ist, die Kapitel gut verständlich sind, läßt sich das Buch zügig lesen, beschäftigt den Leser aber noch lange. Die Enkelin Helene hat erreicht, das Therese Mühlberger nicht vergessen wird und hat einen Stolperstein vor dem ehemaligen Wohnhaus in Reit im Winkel aufstellen lassen.