Ist Gott stärker als Spiderman? Warum erlaubt er ihnen, uns zu töten?
fragt der 4 jährige Uday
Die preiskregrönte (u.a. mit dem Tucholsky-Preis) ) syrische Schriftstellerin Samar Yazbek begibt sich in ein ein Rehazentrum in Qatar, in dem über 2500 schwer verstümmelte Palästinenser mit ihren Angehörigen Hilfe und Heilung finden sollen. In dem vorgelegten Buch kommen 27 Menschen zu Wort, Frauen, Männer, Jugendliche, die ihren Schmerz, ihre Trauer mit ihr teilen.
Es ist eine Reise ins Herz der Finsternis, aber nicht dem aus dem wilden primitiven afrikanischen Busch. Die Politik ist nur eine Randfigur. Es geht hier um den Menschen und seine Leidens-fähigkeit, seinen Schmerz, seine Trauer. Um Entmenschlichung, aber auch um Hoffnung.
Es geht um eine automatisierte Tötungsmaschinerie, um Kollektivbestrafung, um Vernichtung und Auslöschung. Denn was hier beschrieben wird, sind nicht die Szenarien eines normalen Krieges. Es ist ein moderner Kreuzzug.
Man möchte in den Herzen der großen Demokratien lesen können (Thomas Mann).
Wir werden konfrontiert mit Leichenhaufen, mit zerfetzten Körperteilen, die aus den Trümmern der zerbombten Häuser herausragen. Mit Menschen auf der Flucht von A nach B, die dann ganz bewusst bombardiert werden, mit Aerosolbomben und hocheffizienten Drohnen, den Zannana, mit Phosphor und Gas. Panzer, die über die Leichen fahren, mit Bombardements der Trauenden auf dem Friedhof, mit Verschwinden von Leichen aus den Gräbern (Frage: warum, für welchen Zweck?) Mit Gefolterten, denen Morphium verabreicht wird, damit es weitergeht im Programm.
Es kostet Überwindung und Kraft, weiterzulesen. Aber was ist schon unsere Lektüre auf dem Sofa gegen die tatsächlichen Leiden der portraitierten Menschen? Da treffen Welten aufeinander. Aber man kann Samar Yazbek nur danken, dass sie die Kraft und den Mut hatte, diese Gespräche zu führen und sie in Worte zu kleiden, um sie mit uns zu teilen. Beeindruckend in all dem Leid ist der familiäre Zusammenhalt der Menschen. Und immer wieder der Wille, zurückzukehren.
Nach dem Talmud gilt: "Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt. Und in der Bibel wird gefragt: Kain, wo ist dein Bruder Abel? Der AufrufNie wieder! sollte für alle Menschen gelten.
Mehr ist kaum zu sagen. Denn jeder weitere Satz würde den Rahmen sprengen.