Ägyptisch inspiriertes Fantasy-Debüt mit starker Heldin, das mich beim Tempo leider verloren hat. Abgebrochen.
Ägyptisch inspirierte Fantasy, Slow-Burn-Enemies-to-Lovers, eine versteckte Thronerbin und ein tödliches Champion-Turnier. Auf dem Papier klingt Sara Hashems "The Jasad Heir" nach genau meiner Sorte Buch. In der Praxis habe ich es nach der Hälfte zur Seite gelegt, und das ist etwas, was ich nur sehr selten mache.Zum Inhalt: Sylvia überlebt als Zehnjährige das brutale Massaker, das ihr gesamtes Königreich Jasad auslöscht. Seitdem lebt sie mit falscher Identität, immer auf der Flucht vor der feindlichen Macht Nizahl, die Magie in den vier verbliebenen Königreichen verboten hat. Als der berechnende Thronerbe Arin ihre Kräfte entdeckt, macht er ihr ein Angebot, das keines ist: Sie soll für Nizahl im Alcalah-Turnier antreten und ihm als Köder für andere Jasadis dienen. Im Gegenzug bekommt sie Immunität.Was mir wirklich gefallen hat, ist Sylvia selbst. Sara Hashem zeichnet sie mit einer Härte und Dunkelheit, die ich in vielen Romantasy-Romanen vermisse. Sie ist keine glatte Heldin, sondern eine traumatisierte Überlebende eines Genozids, und das spürt man auf jeder Seite. Die ersten Kapitel mit ihrem Versteckspiel und der ständigen Angst sind stark erzählt. Auch das Worldbuilding ist ehrgeizig und durchdacht. Vier Königreiche, komplexe politische Allianzen, ein ägyptisch inspiriertes Magiesystem. Sara Hashem hat als amerikanisch-ägyptische Autorin authentische Wurzeln in dieser kulturellen Tradition, und diese Perspektive tut dem Genre gut.Warum ich trotzdem abgebrochen habe, kann ich gar nicht an einem einzigen Punkt festmachen. Es war eine Summe kleiner Reibungen. Das Tempo empfand ich als schleppend. Vieles drehte sich für mein Empfinden im Kreis, lange politische Passagen wirkten auf mich verlangsamend statt bereichernd. 560 Seiten sind für High Fantasy nicht ungewöhnlich, aber hier hätte die Geschichte gestrafft werden können. Dazu kam, dass die Komplexität des Worldbuildings volle Konzentration verlangt. Ich habe mehrfach zurückblättern müssen, um Verbindungen nachzuvollziehen. Wer die mentale Bandbreite dafür mitbringt, wird belohnt. Ich hatte sie gerade nicht.Auch die Enemies-to-Lovers-Dynamik zwischen Sylvia und Arin, die viele Leser:innen feiern, ist mir zu unterschwellig geblieben. Die Schlagabtausche sind scharfsinnig geschrieben, aber echtes Knistern habe ich bis zur Mitte kaum gespürt. Wer Slow Burn liebt, der wirklich SLOW ist, wird glücklich. Wer nach knapp 300 Seiten mehr Spannung braucht, könnte wie ich die Geduld verlieren.Wichtig zur Einordnung: Das ist ein zutiefst subjektives Urteil. "The Jasad Heir" ist ein Sunday-Times-Bestseller mit treuer Fangemeinde. Wer "Fourth Wing", "A Court of Thorns and Roses" oder "The Jasmine Throne" geliebt hat und Lust auf ein kulturell anders gefärbtes Setting hat, sollte sich von meiner Bewertung nicht abschrecken lassen. Manchmal stimmt das Match zwischen Buch und Leserin einfach nicht, obwohl alle Zutaten passen sollten. Genau das ist hier passiert.