Isidor, geboren in ärmlichen Verhältnissen in Galizien, erkennt schon früh seinen Wunsch nach mehr. Durch Fleiß, Ausdauer und später auch Glück erkämpft er sich einen Platz in der Wiener Gesellschaft und wird Kommerzialrat. Anerkannt, in den richtigen Kreisen verkehrend und wohlhabend, glaubt er sich unangreifbar und unantastbar für die Nazis.
Shelly Kupferberg, Isidors Großnichte, zeichnet in diesem wunderbaren Porträt ein lebendiges Bild eines erfolgreichen Juden in der Zeit von 1900 bis 1945. Neben Isidors Geschichte erzählt sie auch die seiner Geschwister und ihrer Kinder, was das Gesamtbild ergänzt und abrundet. Ihr bildhafter und anschaulicher Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Gemeinsam mit Isidor wächst man in Galizien auf, besucht die Schule in Lemberg und erlebt Wien am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Man meint, bei einem der Banketts mit am Tisch zu sitzen. Dieser besondere Stil, der beschreibt, aber nicht urteilt, ermöglicht es, Isidors Handlungen nachzuvollziehen und zu verstehen, so tragisch die Konsequenzen am Ende auch sind.
Das Buch verdeutlicht auch, was passieren kann, wenn man der rechtsradikalen Bewegung Raum gewährt. Es zeigt, wie schnell aus Nachbarn und Bekannten Feinde werden können.
Ich habe dieses hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche und österreichische Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.