eindringliche Familiengeschichte
Im Rahmen meines Lesekreises lasen wir am Ende des letzten Jahres diesen Roman. Ein Roman, aber auch eine biographische Familiengeschichte, denn Isidor - eigentlich Israel - war der Urgroßonkel der Autorin. Shelly Kupferberg hat durch hervorragende Recherchen, Dokumente und Urkunden etc. nicht nur über das Leben von Dr. Isidor Geller geschrieben, sondern die Geschichte Ihrer Familie zum Leben und zum Nicht-Vergessen erweckt.Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist aus Galizien nach Wien emigriert und hat sich bis zum Kommerzialrat hochgearbeitet. Er ist in der Mitte der höheren Wiener Gesellschaft angekommen, ist Liebhaber einer bewunderten Sängerin und lebt in mehr als guten finanziellen Verhältnissen.Den antisemitistischen Vorgängen im benachbarten Deutschland misst er wenig Bedeutung zu - der Zweifel, dass ihm was zustoßen könnte, ist einfach zu groß. Auch dem Anschluss Österreichs und die Verwandlung zu "Ostmark" beeindruckt ihn nicht. Um ihn herum fliehen Verwandte und Bekannte. Sein Lieblingsneffe Walter - der Vater von Shelly Kupferberg - gelingt noch geradeso die Flucht nach Palästina.Verraten durch seinen Fahrer und dem Haushälterehepaar, wird Isidor kurz drauf von den Nazis abgeholt. Isidor stirbt im Jahre 1938 an den Folgen der Haft mit 52 Jahren.Als sein Neffe Walter in den 50er Jahren auf Spurensuche von Tel Aviv nach Wien reist, findet er auf dem Klingelschild seines damaligen, eigenen Wohnhauses den Namen des Haushälterehepaars. Als er klingelt hört von innen: " Der Jud' is wieda doa!...Sag koa Wort!".Bei all den persönlichen und familiären Hintergründen gelingt es der Autorin die journalistische Distanz zu wahren. Nichts wird beschönigend, nichts wird ausgeschmückt, was das Beschriebene umso eindringlicher macht.Im empfehle dieses Buch sehr gerne weiter!