Trauern und gleichzeitig auch für seine Kinder da zu sein?
Wie schafft man es als Familie durch diese schwere Zeit und wie kann eine Trauerbegleitung eine echte Stütze sein?
Vielen Eltern geht es wie mir: Sich mit dem möglichen Tod der eigenen Kinder zu beschäftigen, ist ein Thema, das wir weit von uns schieben wollen. Allein in diesem Moment fällt es mir schwer, darüber zu schreiben. Doch manche Väter und Mütter sind tatsächlich dazu gezwungen, sich von ihren geliebten Kindern zu verabschieden. Weil eine schlimme Krankheit oder ein schwerer Unfall das Leben des Heranwachsenden viel zu früh beenden.
Wie schaffe ich es, in diesen Momenten meine eigene Familie nicht aus den Augen zu verlieren und in meiner persönlichen Trauer zu versinken? Sibylle de Bondt hat in der Trauerbegleitung ihre Berufung gefunden und mit "Griefy" ein ganz wundervolles, einfühlsames und sehr berührendes sowie gleichzeitig hoffnungsvolles Kinderbuch geschrieben. Sie erzählt die Geschichte von Lea, die ihren älteren Bruder Luke an Krebs verliert. Das Mädchen kann kaum begreifen, was um sie herum geschieht. Da erscheint ihr plötzlich eine junge Elfe. Genauer gesagt, eine Trauerelfe, die ihr in der äußerst schweren Zeit zur Seite stehen wird. Griefy erklärt Lea, was sie genau erwartet, wie wichtig es ist, seine Gefühle zuzulassen und schwelgt mit dem Mädchen in Erinnerungen an den geliebten Bruder.
Geplant ist eine Lebensfeier in Sankt Peter Ording. An dem Ort, an dem sich Luke immer so wohl und ausgelassen fühlen konnte. Doch bevor diese Feier stattfinden wird, gibt es noch einiges zu tun. In dieser Zeit steht ihnen die äußerst empathische Trauerbegleiterin zur Seite. Mit vielen wunderbaren Ideen. So bemalen sie beispielsweise auch Luke's individuell gestalteten Sarg.
So traurig und endlich der Abschied auch ist: Griefy und die Trauerbegleiterin geben der Familie Halt und Hoffnung. Vor allem Lea darf viele, viele Fragen stellen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Man hat das Gefühl, dass die Familie mitsamt der Tante und Luke's Lebensgefährten immer mehr zusammenwächst. Den Gefühlen aller wird ganz viel Raum gewährt und Lea lernt, besser mit ihrem großen Verlust umzugehen.
Sibylle de Bondt hat mich mit ihrer Geschichte sehr berührt. Sie trifft tief ins Herz und beim Lesen hatte ich immer wieder einen Kloß im Hals. Gleichzeitig fühlte ich mich aber auch aufgefangen und daran erinnert, wie wichtig es ist, gemeinsam zu trauern, über Gefühle zu sprechen, statt alleine in ein tiefes Loch zu fallen. Elfe Griefy und auch die Trauerbegleiterin finden hilfreiche und einfühlsame Antworten auf viele bewegende Fragen, für die Eltern in dieser Situation vermutlich keine Kraft haben. Gleichzeitig empfinde ich die Lebensfeier auch als äußerst inspirierend.
Ein ganz bezauberndes Buch, um mit Kindern über dieses wichtige Thema zu sprechen.