Die Freundschaft der beiden Protagonisten ist sehr realistisch dargestellt. Jedoch war dass das einzig wirklich positive am Buch.
Eine besondere Freundschaft sowie die Auseinandersetzung mit Kunst sind die zentralen Motive des zeitgenössischen Romans "Dius" von Stefan Hertmans.Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zwischen dem Kunststudenten Dius und seinem Kunstprofessor Anton, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Im Verlauf des Romans erfahren wir Leserinnen zunehmend mehr über Dius Persönlichkeit und prägende Ereignisse in seinem Leben, ebenso wie über Anton selbst. Kunst spielt dabei eine zentrale Rolle: Über viele Seiten hinweg wird sie auf theoretischer Ebene ausführlich thematisiert.Da Diogenes zu meinen Lieblingsverlagen zählt und ich gerne zeitgenössische Literatur lese, bin ich mit hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Leider konnten diese nicht erfüllt werden. Ein großer Teil des Romans ist der Kunst gewidmet, was deutlich mehr ist, als ich erwartet hatte. Natürlich war mir bewusst, dass Kunst eine Rolle spielen würde, schließlich handelt es sich um einen Kunststudenten und einen Kunstprofessor. Dass jedoch schätzungsweise ein Drittel des Buches sich der Kunst widmet, hat mich überrascht. Für kunstbegeisterte Leser mag dies ein nettes Extra sein, mich persönlich haben diese langen Ausschweifungen jedoch eher gelangweilt.Erschwerend kam der Schreibstil hinzu. Hertmans verwendet häufig wenig gebräuchliche Begriffe, was das Leseverständnis beeinträchtigt. Zwar passt dieser Stil zur Figur des Professors, aus dessen Perspektive erzählt wird, dennoch macht er den Text stellenweise unnötig schwer zu verstehen.Ein weiterer, für mich wichtiger Kritikpunkt ist die Darstellung von Frauen im Roman. Weibliche Figuren treten nahezu ausschließlich als (potenzielle) Liebesinteressen der männlichen Protagonisten auf und werden darüber hinaus kaum vertreten. Zwar ließe sich argumentieren, dass dies der subjektiven Perspektive des Erzählers geschuldet ist, dennoch empfinde ich eine derartige Reduktion von Frauenfiguren im 21. Jahrhundert als problematisch und unangemessen.Trotz dieser Kritik möchte ich einen Aspekt besonders hervorheben, der mich überzeugen konnte: Die Darstellung der Freundschaft zwischen Dius und Anton. Beide Figuren wirken im Großen und Ganzen authentisch und gut ausgearbeitet. Besonders gelungen ist, wie ihre Beziehung geschildert wird. Die Freundschaft erscheint realistisch, da sie nicht nur von gemeinsamen Erlebnissen und Gesprächen über die Vergangenheit der jeweiligen Personen geprägt ist, sondern auch von Fehlern und unausgesprochenen Gedanken. Nicht alles wird sofort verziehen, manches wird für sich behalten. Gerade diese fehlende Perfektion verleiht der Beziehung Tiefe und Glaubwürdigkeit. Folgend wird das zentrale Motiv des Romans überzeugend umgesetzt.Insgesamt konnte mich "Dius" dennoch nicht begeistern. Der starke Fokus auf Kunst, der anspruchsvolle Schreibstil sowie die problematische Darstellung von Frauen haben für mich das Leseerlebnis negativ beeinträchtigt. Die authentisch dargestellte Freundschaft zwischen den Hauptfiguren bleibt der einzige Aspekt, der mich wirklich überzeugen konnte. Für kunstinteressierte Leser mag der Roman durchaus interessant sein, aber für mich persönlich war es jedoch leider nicht das richtige Buch.