Wer kennt das nicht: Morgens war keine Zeit mehr, ein Brot zu schmieren und auf dem Weg zur Arbeit hat der Impulskauf gesiegt: Zum Mittagessen gibt es ein Croissant. Dabei soll uns das Essen in der Pause doch auf den Nachmittag vorbereiten, Kraft geben und im besten Fall nicht nur ein Mittagstief verhindern, sondern auch noch gut schmecken. Dieser Herausforderung hat sich Stina Spiegelberg in "Work-Lunch-Balance" angenommen. Schnell, satt, glücklich - unter diesem Motto stellt die Köchin schnelle Nebenbeirezepte (10-30 Minuten Zeitbedarf) für die Mittagspause vor, die auch mit dem Familienalltag zu vereinen sind - zumindest verspricht das das Vorwort.
Schon auf den ersten Seiten, bevor die eigentlichen Rezepte anfangen, wurde ich stutzig. Was mir als Lösung für mein Mittagspausenproblem angekündigt wurde, wird nun auf jeder zweiten Seite mit dem Slogan "Ich nehme mir Zeit" verbunden. Ja, gesundes Essen ist langsames, genussvolles Essen. Aber mit kurzen (oder gekürzten) Mittagspausen ist das oft nicht vereinbar. Und von Erdung beim Kochen in der Pause möchte ich eigentlich nichts hören. Denn Pause ist für mich Pause und Kochen doch irgendwie Stress. Zwar geht die Autorin immer wieder darauf ein, dass man auch Vorkochen kann. Allerdings geht das dann doch bei den konkreten Rezepten unter. Mich beschleicht das Gefühl, dass das Kochbuch für alle, die nicht im Home Office oder halbtags arbeiten, ziemlich realitätsfern ist. Wer hat zum Beispiel an einem normalen Arbeitstag Zeit, Linsen eine Stunde lang einzulegen, bevor man sie in der Pause kocht?
Pasta, Hülsenfrüchte und Reis bieten die Basis für fast alle Rezepte im Buch. Wer wenig mit italienischen Essen in der Pause anfangen kann. ist hier falsch. Denn ein ganzes Kapitel widmet sich kohlenhydratlastigen Klassikern wie Pizza und Pasta. Hier sind viele Klassiker dabei (Nudeln mit Gemüse in der Mittagspause). Leider ist die Autorin aber auch hier wieder inkonsequent: Eine weiße Pizza mit Kartoffeln wird zum Beispiel als Abendessen angekündigt. Von der Mittagspause keine Spur mehr. Im Proteinkapitel (das etwas kreative gestaltet ist) gibt es plötzlich Frühstücksrezepte. An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass alle Rezepte vegan sind und daher rein auf pflanzlichen Proteinen basieren.
Insgesamt sind die Rezepten nett gestaltet, doch wirklich Neues findet man hier nicht. Mich haben Titel und Aufmachung auf ein Rezeptbuch mit vielen Ideen für vorbereitetes Mittagessen in der Mittagspause hoffen lassen. Diese Erwartungen wurden nicht erfüllt. Das Buch ist doch eher etwas für Frauen mit Teilzeitjob oder im Home Office.