Peggy hat es gerade wirklich nicht leicht. Ihre Eltern haben der Dauerstudentin den Geldhahn zugedreht und sie musste sich einen Untermieter suchen. Leider war sie nicht besonders wählerisch und so ist Martin bei ihr eingezogen, ein Narzisst in Reinkultur, der mit seinem Gehabe für ständigen Ärger in der WG sorgt. Auch bei ihrer Freundin Ulrike findet Peggy kein Verständnis, setzt diese ihre Langzeitfreundin doch endgültig vor die Tür. Peggy flüchtet sich in ihre verräucherte Stammkneipe, das Image, sehr zur Freude von Kellnerin Veronique, die schon seit längerem ein Auge auf Peggy geworfen hat und nun ihre Chance wittert. Wahrscheinlich wäre das Buch von Svea Mausolf eher nicht auf meiner Leseliste gelandet, allerdings ging es bei verschiedenen Buchbloggern, denen ich folge durch die Decke und irgendwie hat mich das Cover und auch die Geschichte dann doch angesprochen, stehe ich doch total auf abgedrehte, skurile Figuren, die in aberwitzige Situationen hineingeraten. Die Autorin versammelt in ihrem Buch wirklich einige dieser Figuren, Eine abgedrehter als die Andere. Da ist noch Peggys Familie, Mutter Elke, Geschäftsführerin einer Sexshopkette, ihr Mann Detlev, der Zuhause nichts, aber wirklich so gar nichts zu sagen hat, Peggys Schwester Jenny, erfolgreiche Christfluencerin und deren Zukünftiger, aber auch das Pastorenehepaar Steffens, die Kriminalbeamten Brandt und Küppers und nicht zuletzt Olivia.Jede dieser Figuren hat für sich schon das Potential für eine irrwitzige Achterbahnfahrt, alle zusammengenommen ergeben einen unaufhaltsamen Erdrutsch, der den Leser fast unter sich begräbt. Schon recht früh habe ich mich gefragt, was zum Teufel soll das? Was hat sich die Autorin dabei gedacht, was will sie mir sagen? Das die Welt voller Verrückter ist? Wo bitte hat sie die Vorbilder für ihre Figuren gefunden? Denn mal ehrlich, so was kann es im echten Leben doch gar nicht geben. Aber falsch, es gibt nichts was es nicht gibt und auch wenn die Autorin hier wirklich sehr Überspitzt und Übertreibt, dann ist da an vielen Ecken doch einfach nur der ganz normale Wahnsinn, der sich Leben/Überleben nennt.Svea Mausolf zeigt tiefe Gefühle und das, was passieren kann, wenn diese verletzt, ignoriert, oder mit Füßen getreten werden. Sie zeigt toxische Familienverhältnisse, legt den Finger auf Bigotterie, Ignoranz, Ich-Bezogenheit und die Scheinwelt von Social Media. Sie zeigt aber auch gebrochene Seelen, Verzweiflung, bedingungslose Liebe, Abhängigkeit in den verschiedensten, sehr zerstörerischen Varianten, emotional, finanziell und natürlich auch von Rausch- und Suchtmitteln aller Art. Sie zeichnet das Bild einer Schicksalsgemeinschaft, das Ergebnis einer Fehlentscheidung und das eben auf so überdrehte Art, dass es einem eigentlich total unangenehm ist, fast körperlich abstößt, man aber trotzdem nicht aufhören kann zu lesen. Rein vom bloßen Schreibstil her macht die Autorin es dem Leser leicht ihrer Geschichte zu folgen, was so total reinhaut ist ihre ungeschönte Art die Dinge beim Namen zu nennen. Da werden Körperfunktionen und -befindlichkeiten in allen Details beschrieben, da ist leicht eklig bis absolut abartig alles dabei. Wer hier Probleme hat, oder eher empfindlich ist sollte das Buch lieber nicht lesen, denn die Beschreibungen der Autoren sind so bildlich und auf den Punkt, dass man fast meint den entsprechende Geruch dazu in der Nase zu haben. Definitiv nichts für zarte Seelchen. Um eine Vorstellung zu bekommen könnte man das Buch ein stückweit mit "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche vergleichen, allerdings um einiges heftiger. Wer da schon pikiert den Mund verzogen hat, sollte hier dann lieber die Finger von lassen.Wie schon gesagt war ich anfangs etwas überrollt von der Heftigkeit der Beschreibungen, auch weil ich sie irgendwie fast boshaft/hämisch empfunden habe. Es gibt recht früh im Buch eine Szene im Bus, als Peggy mit ihrer Mutter telefoniert. Hier wird eine Mutter mit ihrem Kind beschrieben und da war ich kurz raus und hätte das Buch auch fast abgebrochen. Hier war es mir unter der Gürtellinie, wer die Szene kennt wird vielleicht verstehen wie ich das meine und das ist auch der Grund, warum das Buch nicht die volle Sternezahl von mir bekommt. Generell ist das Buch sehr speziell und wird viele Leser abstoßen. Mich hat es auf verschiedenen Ebenen aber eher fasziniert, es ist bitter, bitterböse Satire, die oft gerade so die Grenze zum "Geht gar nicht" verfehlt, aber wenn man sich drauf einlässt trifft man auf die verschiedensten gescheiterten Persönlichkeiten, die in ihrem Leben eigentlich alle nur das selbe wollten, geliebt werden.