Manche Bücher machen kurz Spaß und verschwinden dann wieder aus dem Kopf. Cryptos hat sich bei uns eher breitgemacht wie ein Gast, der eigentlich nur auf einen Kaffee bleiben wollte und plötzlich noch beim Abendbrot mit am Tisch sitzt.
Meine Tochter und ich haben das Buch als Buddyread gelesen, abwechselnd im gleichen Exemplar, und genau das hat hier richtig gut funktioniert. Einer liest ein Kapitel, der andere wartet ungeduldig und fragt ständig: Na, was ist jetzt passiert? Mehr als einmal kam von ihr nur ein trockenes: Papa, leg das Buch weg, ich bin dran. Tja, harte Regeln im eigenen Wohnzimmer.
Jana als Weltendesignerin hat uns sofort gepackt. Diese Idee, komplette Realitäten zu erschaffen, in denen Menschen vor einer kaputten Erde flüchten, ist faszinierend und gleichzeitig unangenehm nah dran. Da sitzt man gemütlich auf dem Sofa, liest von VR Kapseln, Klimakrise und sozialer Ungerechtigkeit und denkt sich: Schön gruselig, aber bitte nicht zu realistisch werden, danke.
Besonders stark fand ich, wie Ursula Poznanski Spannung aufbaut. Am Anfang staunt man noch über die Welten, dann kippt die Stimmung und plötzlich ist dieses virtuelle Abenteuer gar nicht mehr so harmlos. Meine Tochter und ich haben zwischendurch Vermutungen rausgehauen wie zwei Hobby Ermittler mit viel Meinung und wenig Beweisen. Natürlich lagen wir nicht immer richtig. Gut so.
Cryptos ist für mich kein reiner Science Fiction Roman, sondern ein Near Future Thriller mit richtig viel Druck im Nacken. Die Technik ist spannend, aber nie nur Spielerei. Dahinter steckt eine kaputte Gesellschaft, in der nicht jeder die gleiche Chance hat, der Realität zu entkommen.
Ein Buch, das Spaß macht, Tempo hat, überrascht und gleichzeitig Fragen stellt, über die man nach dem Lesen noch spricht. Genau so muss ein Buddyread sein.