Willents Brut hat mich vor allem durch seine intensive, teilweise verstörende Atmosphäre beeindruckt. Ute Cohen erzählt eine Familiengeschichte, in der Gewalt, autoritäre Erziehung, religiöser Fanatismus und nationalsozialistisches Denken tiefe Spuren hinterlassen. Besonders bedrückend ist, wie sich diese Prägungen über Generationen hinweg fortsetzen und das Leben der Kinder bestimmen. Es geht nicht nur um individuelle Schuld, sondern auch darum, wie gesellschaftliche Vorstellungen und die verdrängte Vergangenheit innerhalb einer Familie weiterwirken.
Die Autorin beschreibt berührende Szenen in einer Poesie, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite durch die Geschichte gleiten lässt. Dabei bleibt sie immer ganz nah an den Gefühlen und seelischen Zuständen der Hauptfigur Arne Willent, dem sensiblen Jungen mit zwei unterschiedlich farbigen Augen. Die Sprache ist sehr bildhaft, dicht und manchmal geradezu körperlich. Das macht das Buch nicht immer leicht zu lesen, erzeugt aber einen starken Sog. Manche Szenen sind hart und bleiben lange im Gedächtnis.
Willents Brut ist der dritte Roman einer Trilogie über Gewalt. Satans Spielfeld thematisiert Missbrauch. Mit Poor Dogs taucht Ute Cohen in die Machtspiele der Wirtschaft und den Erfolg um jeden Preis ein. Sie schreibt nach wahren Begebenheiten und eigenen Erfahrungen. Diese persönliche Betroffenheit ist sicherlich ein Schlüssel für die Intensität dieser Romane und macht sie zu literarischen Glanzleistungen.
Willents Brut ein anspruchsvoller, ungewöhnlicher und nachwirkender Roman keine leichte Lektüre, aber gerade deshalb lesenswert.