Die Hölle auf Erden. Ein mutiges Buch voller Grausamkeit und für mich nur in Etappen lesbar. Dennoch enorm wichtig, dass die Menschen davon erfahren.
Beginnend bei ihrer Kindheit, erzählt Virginia Roberts Giuffre von den schlimmsten Misshandlungen, die sie quasi ihr ganzes Leben lang begleitet haben und schließlich auch in die Hände von Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein führten.
Auf dieses Buch war ich durch eine Empfehlung hin neugierig geworden. Ich war mir allerdings unschlüssig, ob ich das Lesen dieses tragischen Inhalts wirklich ertrage, denn dass es keine leichte Kost werden wird, das wusste ich von Anfang an. Denn wer die Schlagzeilen zu Epstein nur ein wenig verfolgt hat, kann sich denken, welchen Horror man in diesem Buch erwarten kann. Ohne Pausen hätte ich dieses Buch niemals lesen können und doch hat mich der Fall so sehr beschäftigt, dass ich mir neben dem Buch noch weitere Informationen eingeholt habe. Die Machenschaften von Epstein und all seinen Kumpanen haben mein Weltbild vollkommen erschüttert. Ich möchte nicht glauben, zu was Menschen fähig sind und doch gibt es mehr als genug Belege dafür. Es ist einfach unvorstellbar grausam, wie Täter durch Macht und Geld grenzenlos handeln und ungeschoren oder mit viel zu geringer Strafe davonkommen. Was die Opfer angeht, so frage ich mich, wie sie all das ertragen konnten, wenn mich beim Lesen schon dauerhaft die Übelkeit überfällt.
Virginias Leben entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit zu einem Albtraum. Als stände es ihr ins Gesicht geschrieben, dass man sie nach Lust und Laune benutzen kann, rutscht sie weiter von einem Horrorszenario ins nächste. Diese grausamen Erfahrungen begleiten sie bis an ihr Lebensende.
Sie schildert sehr genau und detailliert, wie sich der Kontakt zu Maxwell und Epstein entwickelte und mit welchen Versprechungen sie das junge Mädchen in die Falle lockten, aus der es kein Entkommen gab. Es ist unglaublich, wie viele Menschen dieser Mann in den Abgrund gerissen hat. Wie er sein Umfeld manipulierte und teils zu Mittätern machte. Ganz zu schweigen von den unzähligen namenhaften Personen, die seine ekelerregende Leidenschaft teilten und unterstützten. In mir sträubt sich alles, wenn ich versuche, mir vorzustellen, wie viel Boshaftigkeit in manchen Menschen stecken kann. Dennoch darf man die Augen vor solchen Gräueltaten nicht verschließen. Es ist wichtig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Überaus tragisch finde ich es, wie stark die traumatischen Erinnerungen Virginias weiteres Leben beeinflussten und zerstörten. Es war schon ein Wunder, dass sie es überhaupt schaffte, sich zu befreien und neu anzufangen. Doch wie schwer es tatsächlich wurde, konnte ich deutlich in ihren Berichten erkennen. Über die Jahre hinweg, während ihrer Verhöre und Interviews, in denen sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit ging und für Gerechtigkeit kämpfte, durchlebte sie immer wieder aufs Neue die schlimmsten Momente ihres Lebens.
Virgina Roberts Guiffre ist für mich allein durch ihren Mut zu diesem Buch, schon eine Löwin. Ich bewundere und schätze ihre Offenheit und hoffe, dass sie mit diesem Buch und ihren Berichten genau das erreicht, was sie sie sich gewünscht hat. Und zwar den Opfern zu helfen, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und für Gerechtigkeit zu sorgen.
Nicht nur, weil ich das, was ich hier gelesen habe, niemals wieder vergessen werde, sondern auch, weil Bücher wie dieses, die Welt verändern, gehört es zu den bedeutendsten, die ich je gelesen habe.