Wie kommt Martin Luther zu seiner Sicht auf Staat und Kirche, die auch für Christen heute eine große Bedeutung hat? Dieser Frage widmet sich Volker Mantey anhand der Entwicklung von Staat und Kirche im 14. und 15. Jahrhundert, die mit Luthers "Zwei-Reiche-Lehre" verglichen wird.
There is still some apprehension among Protestants about determining the relationship between church and state with the help of Luther's doctrine of two kingdoms. One of the reasons for this is that up to now Luther's historical qualifications had not been studied sufficiently. Volker Mantey closes this gap by examining the late medieval history of the tradition of Luther's doctrine of two kingdoms. He does so by analyzing the doctrine of two swords from 1300 on, looking at its significance for the relationship between church and state. It was used not only to support the papal claim to worldly supremacy but also to create a distance to the Pope and to maintain a worldly independence. Nach wie vor besteht Unbehagen, eine evangelische Verhältnisbestimmung von Kirche und Staat mit Hilfe von Luthers Zwei-Reiche-Lehre vorzunehmen. Das liegt unter anderem auch daran, dass Luthers historische Voraussetzungen bislang nicht hinreichend untersucht wurden. Volker Mantey schließt diese Lücke, indem er sich der spätmittelalterlichen Traditionsgeschichte der Zwei-Reiche-Lehre Luthers widmet. Dies geschieht anhand einer Analyse der Zwei-Schwerter-Lehre ab 1300, wie sie für das Verhältnis von Staat und Kirche maßgeblich war. Sie wurde sowohl verwendet, um den päpstlichen Anspruch auf weltliche Oberhoheit zu untermauern, als auch, um sich gegen den Papst abzugrenzen und eine weltliche Eigenständigkeit zu behaupten.
Der Autor stellt Luthers Zwei-Reiche-Lehre vor ihrem spätmittelalterlichen Horizont dar. Dabei zeigt sich, in welchem Verhältnis der Reformator sich theologisch zwischen Thomas von Aquin und Wilhelm von Ockham positioniert.