Das "Konventstagebuch" einer Nonne, das hier erstmals zugänglich gemacht wurde, gibt einen ungewöhnlich tiefen und lebendigen Einblick in das tägliche Leben der geistlichen Frauen im Spätmittelalter. Anhand der zum größten Teil noch nicht edierten Quellen aus den norddeutschen Frauenklöstern stellt Eva Schlotheuber die Rolle der Familien beim Klostereintritt, Aufnahmeriten und Bildung der Nonnen dar.
This book takes a good look at life in the convents of the late Middle Ages as described in the diary of a Cistercian nun written over a period of more than 20 years. It shows how the convents and the families of the girls entering the convent interacted. If the girls were underage, canon law regulations had to be taken into consideration, and the author deals with the development of the part of canon law pertaining to this from the early Middle Ages until the Reformation. The study accompanies the girls from their entry into the convent until they became nuns, a process which often took ten years and which culminated in their marriage to Christ. It deals with their education in the convent, their knowledge of Latin, their secular surroundings, their understanding of themselves and their own spiritual life and, in particular, the function of the nuns in medieval society as brides of Christ. Eva Schlotheuber behandelt einleitend das weltliche und geistliche Umfeld der Zisterzienserinnen des Braunschweiger Heilig-Kreuzklosters und die allgemeine Situation der norddeutschen Frauenklöster in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt ihrer Untersuchung liegt jedoch auf dem Klostereintritt und der Bildung der Nonnen im Mittelalter.
Sie untersucht die enge Vernetzung der Nonnenkonvente mit ihrem sozialen Umfeld, die Übergangsriten und die Erziehung und Ausbildung der oft sehr jungen Mädchen.
Ebenfalls untersucht wird das Selbstverständnis der Nonnen als besondere, privilegierte Mittlerinnen zu Gott und die zentrale Rolle der Jungfräulichkeit als Weg zur Gotteserkenntnis. Die Autorin widmet sich aber vor allem der Ausbildung im Kloster und wertet die im Benediktinerinnenkloster Ebstorf überlieferten Schülerinnennotizen aus, die einen überraschend tiefen Einblick in Inhalte, Erziehungsziele und Vermittlungsmethoden der Klosterschule und das Ideal weiblichen geistlichen Lebens am Ende des 15. Jahrhunderts liefern. Mit dem "Konventstagebuch", das eine anonyme Zisterzienserin über 23 Jahre führte, wird erstmals diese ungewöhnliche Quelle zugänglich gemacht, die eine der im Spätmittelalter sehr seltenen Beschreibungen einer Frau über ihr Leben und den Alltag der Nonnen darstellt.