Sehr komplex und Atmosphäre, aber auch mit Längen
Wenn man "Harry Quebert", den "Schatten des Windes", Kai Meyers "Bibliotheksreihe" und "Das achte Leben (für Brilka)" in einen Topf wirft und mit einem ungewöhnlichen Erzählstil würzt bekommt man eine düstere Geschichte, die sich über viele Jahrzehnte spannt und deren Komplexität sich erst am Ende erschließt : Asa!Asa wächst mit Traditionen auf die Ausdauer auf vielen Ebenen fordert, physisch und mental. Das prägt sie und führt im Endeeffekt zu einem großen Verlust. Als sie , mittlerweile erwachsen, an den Ort des Geschehens zurückkehrt, rächt sie sich für das, was damals passierte. Soweit kann man ganz gut folgen. Doch dann führt uns der Erzähler, der in der Du-Form Asa anspricht, zu anderen Plätzen , in andere Zeiten und ich wusste, das wird kein packender Thriller, sondern ein Puzzle, dass man Stück um Stück zusammensetzen muss, damit die Dramatik der Geschichte in ihrer ganzen Komplexität erfassbar wird.Wir sind nicht linear unterwegs, sondern springen in der Zeit, sind mal im ersten Weltkrieg dann im Zweiten, im Balkan Krieg und in der Ukraine, erleben sowohl Gräueltaten, die historischer Natur sind, als auch Familiendramen, die auf Traditionen und Bräuchen fußen und des Öfteren aus dem Ruder laufen. Und immer wieder geht es um "die Prüfung". Die genannten Kriege sind nicht unwichtig, beeinflussen das Geschehen, aber meist nur indirekt.Asa ist der Mittelpunkt und wir kehren immer wieder zu ihr zurück. Nebenfiguren häufen sich und waren nicht immer wichtig für die Geschichte, auch wenn sie langsam aufgebaut wurden. Oft starben sie eines ungewöhnlichen Todes. Auch viele verschiedene Orte ziehen an uns vorbei und sind manchmal nur flüchtige Schauplätze wie zum Beispiel Kroatien, und manche stehen im Zentrum, wie Thule oder die Uckermark. Leicht war dieses Buch nicht zu lesen. Es erfordert schon hohe Aufmerksamkeit, und darin liegt gleich die Schwierigkeit, die ich beim Lesen hatte. Ich hab's für mich zu einem Zeitpunkt gewählt, an dem meine Gedanken anderweitig ebenfalls stark gefordert waren. Mir fehlte schlichtweg oft das Konzentrationsvermögen dem Erzähler immer zu folgen. Das sollte man, sonst bekommt man wesentliche Entwicklungen nicht mit. Ich musste also immer mal wieder zurückblättern und Stellen suchen, die mir halfen, wieder da anzuknüpfen, wo ich aufgehört genau hinzuschauen. Obwohl ich die Atmosphäre sehr genossen habe und mir der Erzählton, der für einen Thriller äußerst literarisch ist, sehr gefallen hat, hat mich die Geschichte auch immer wieder ermüdet. Ich bin ein bisschen traurig, dass entweder ich dem Buch oder das Buch mir nicht wirklich gerecht wurde. Es waren mir definitiv ein paar Jagdszenen und einige versteckte Menschen zu viel. Auf den 700 Seiten wiederholte sich einiges, was sicherlich auch dem melodiösen Singsang geschuldet ist, der andererseits extrem dazu beiträgt das mulmige Gefühl zu verstärken.Aber ich bin dran geblieben und zurück bleibt der Eindruck, etwas Episches gelesen zu haben, dass sich zwar Thriller nennt, aber doch so viel mehr istWenn ihr also auf der Suche nach einer Lektüre seid die auf Basis europäischer Geschichte ein spannendes Szenario mit einer komplexen Handlung entwickelt und auf ihrem düsteren Weg viele Tote hinterlässt, ohne brutal explizit zu sein, dann ist Asa das richtige Buch für euch. Eins tut es auf jeden Fall, es passt in die Zeit zwischen den Jahren und ist ein klassisches Winterbuch.