Schwermütiger Klassiker
Auf Empfehlung meiner ältesten Tochter - du hast noch nie etwas von Hesse gelesen?! - habe ich zum Jahresende einen kurzen Klassiker gelesen - Unterm Rad. Die Erzählung ist (zum Glück) recht kurz, die Sprache heute eindeutig nicht leicht lesbar und vor allem die Dialekt Ausdrücke haben mir Schwierigkeiten bereitet. Es herrscht von Beginn an eine düstere und schwermütige Atmosphäre und der Protagonist Hans ist wirklich kein Charakter, den man sympathisch finden kann. Als einziger Geeigneter wird der mutterlose Hans ausgewählt, eine schwierige Prüfung abzulegen, die es ihm, wenn er besteht, ermöglicht, eine klassische Bildung in einem Internat zu erhalten. Hans zweifelt im Gegensatz zu seinem Lehrer und dem Pfarrer, die beide viel in ihm sehen, sehr an seinen Fähigkeiten. Er besteht die Prüfung und lernt in seinen Ferien weiter. Auf dem Internat hat er Probleme damit, sich in die Gruppe einzufügen und als er endlich Freundschaft schließt, ist diese so schlecht für ihn, dass er letztlich das Institut verlassen muss und wieder nach Hause zurück kehrt, wo er eine Lehre als Mechaniker antritt... Die Bilder, die der Autor in seinem autobiographischen Werk nutzt, sind auf jeden Fall stark. Jahreszeiten, Wetter und Orte unterstreichen stets das Schicksal Hans? oder stehen im krassen Gegensatz zu seinem aktuellen Leben. Ob strahlender Sommer mit flirrender Hitze, Herbst im landwirtschaftlich geprägten Dorf mit der Lebensfreude beim Mosten, der eiskalte und brutale Winter im Internat - alles das wirkt sehr viel lebendiger als Hans. Er bleibt für mich bis zum tragischen Schluss leider einfach blass und wie gesagt auch sehr unsympathisch. Auch die anderen Figuren haben wenig Greifbarkeit und werden eigentlich nur in Bezug auf Hans und sein Schicksal genutzt.Es ist klar, dass Hesse sein Werk vor allem als Kritik am damaligen Bildungssystem genutzt hat. Ich bin froh, das Buch abhaken zu können und empfehle es eingeschränkt weiter.