Ein brutaler Mord ¿ der Roman handelt von dem Leben danach für eine 16jährige, die sich ohne Mutter mit zwei kleinen Geschwistern durchboxt
Ich lese sehr gerne Bronskys Romane. Sie handeln meistens von Menschen, die übersehen werden, und das zu Unrecht. Ihre Charaktere sind vielschichtig, sensibel gezeichnet und sehr verletzlich unter einer meist schroffen, abweisenden Hülle. So auch hier. Die Protagonistin Sascha, mit ihrer Familie aus Russland eingewandert, hochbegabt, erlebt als Teenager, wie ihre Mutter und deren Freund von ihrem Stiefvater brutal erschossen werden. Seitdem ist es ihr Ziel, den Mörder ihrer Mutter umzubringen. Sascha wohnt mit ihren kleinen Geschwistern, für die sie die Mutterrolle übernimmt, und einer Verwandten, die sich um die drei kümmert, weiter in der Wohnung, in der die Tat verübt wurde, in einem ghettoähnlichen Hochhaus. Der Roman wird als Ich-Erzählung aus der Perspektive der 16jährigen erzählt, die Tat liegt zwei Jahre zurück, das heißt, wir als Leserinnen leben mit ihr in ihrer familiären, traumatisierten Situation in einem prekären Umfeld, durch das sie sich und ihre Geschwister smart manövriert und in dem sie versucht, ihren Platz zu finden. Es ist kein düsterer Roman trotz der schrecklichen Umstände, sondern die Geschichte einer starken jungen Frau, die sich durchboxt, mal elegant, mal am Rande der Kriminalität, sehr sympathisch, mit viel Liebe, Wut im Bauch und einem Lebenswillen, der inspiriert und optimistisch stimmt. Wie andere Romane von Bronsky kann man ihn nicht aus der Hand legen ¿ ich habe ihn nach der Lektüre meiner 17jährigen Tochter gegeben, es hat zu interessanten Gesprächen geführt, Leseempfehlung von uns beiden!