Vielversprechender Auftakt der Weitseher-Trilogie
Wer es weder eilig hat, noch actiongeladene Spannung sucht, wird an Hobbs Auftakt der Weitseher-Trilogie eine wahre Freude haben! Das Buch ist mehr ein Entwicklungsroman denn ein furioses Fantasyabenteuer, aber gerade das, finde ich, macht das Buch so besonders.Es wird die Geschichte des königlichen Bastards Fitz erzählt, von der Zeit, als er als kleiner Junge vor dem Burgtor ausgesetzt wird, bis zu seinem ca. 15. Lebensjahr. Während dieser Zeit erfährt die Leserschaft viel über sein Leben als jemand, der nirgends so richtig dazugehört und seinen Platz im Leben oft mühsam, meist einsam und immer einblicksam finden muss. Weder wird er als klischeehafter "Chosen One", dem alles auf Anhieb gelingt, dargestellt, noch ist er gewitzter und klüger als alle um ihn herum. Er kämpft mit Zweifeln, Rückschlägen, Ablehnung und körperlichen Schwächen, was Hobb sprachlich nicht nur in einer hohen Qualität darzustellen weiß, sondern vor allem nachvollziehbar und empathisch. Man schließt Fitz wirklich ins Herz, man fühlt, hofft und leidet mit ihm, jedoch ohne rührselig zu sein. Seine Entwicklung ist geprägt von einer tiefen Resilienz, die Hobb ausgesprochen gut einzufädeln weiß.Wie anfangs geschrieben, braucht das Buch seine Zeit. Es ist kein Pageturner, der nach jedem Kapitel mit einem neuen Plottwist aufwartet. Tatsächlich passiert während 3/4 der Geschichte relativ wenig, das zur Haupthandlung beiträgt. Da aber schon vorab klar war, dass es sich hierbei um den ersten Teil einer Trilogie handelt, finde ich die detaillierte und sehr introspektive Darstellung der Entwicklung des Hauptcharakters durchaus unterhaltsam und abwechslungsreich, sodass man sich auf die Fortsetzung richtig freut.Einen Stern Abzug gibt es allerdings für die Tatsache, dass es bis auf die titelgebende Gabe eigentlich keine weiteren fantastischen Elemente gibt (hierbei habe ich einfach die Hoffnung, dass es davon in den Folgebänden mehr geben wird) und 1-2 offene Handlungsstränge, bei denen sich noch zeigen muss, ob sie ins Leere verlaufen sind oder ebenfalls in den Folgebänden aufgegriffen werden.Alles in allem ein sehr lesenswerter Auftakt zur Reihe!