Ein atmosphärischer und gut recherchierter Roman, der das Dallmayr im München von 1897 lebendig und mit allen Sinnen spürbar macht.
Das war ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.Die Strassen, das geschäftige Treiben und das Feinkostgeschäft werden so lebendig beschrieben, dass man beim Lesen beinahe meint, selbst vor den prachtvollen Auslagen im München des Jahres 1897 zu stehen. All die verschiedenen Kuchen, Pralinen und Delikatessen werden derart anschaulich geschildert, dass ich sie förmlich vor mir sehen und riechen konnte.Man merkt ausserdem, wie gründlich Lisa Graf recherchiert hat. Besonders positiv fand ich, dass die verwendeten historischen Quellen am Ende des Buches aufgeführt werden. Besonders gut vermittelt die Autorin die Aufbruchsstimmung der Jahrhundertwende. Es herrschen (fast) überall Optimismus und Neugier auf die Zukunft, neue Erfindungen verändern den Alltag und die Menschen schmieden Pläne und träumen von einem besseren Leben. Ich liebe historische Romane, in denen die jeweilige Epoche nicht nur als hübsche Kulisse dient, sondern wirklich lebendig wird und genau das gelingt hier hervorragend.Therese hat mich sehr beeindruckt. Wie sie sich in einer von Männern bestimmten Welt behauptet und für ihr Geschäft kämpft, fand ich spannend.Hinter der glänzenden Fassade des Dallmayr verbirgt sich zudem eine alles andere als perfekte Familie mit eigenen Wünschen, Sorgen und Geheimnissen.Der Roman ist ziemlich handlungsarm ist und die Geschichte entwickelt sich sehr gemächlich. Trotzdem hat mich das überraschend wenig gestört, weil die wunderschöne, authentische Atmosphäre vieles wieder wettmacht. Die Stärke des Romans liegt weniger in einer mitreissenden Handlung als in seiner Stimmung und darin, wie vollkommen man in diese vergangene Welt eintauchen kann.Ein atmosphärischer und wunderbar recherchierter historischer Roman, der mich trotz seines gemächlichen Tempos völlig in das München der Jahrhundertwende entführt hat.