Worlds Collide von Anabelle Stehl hat mich von der ersten Seite an abgeholt. Allein das Cover hat mich sofort begeistert. Ich liebe dieses naturbelassene Papier, das sich komplett anders anfühlt als die meisten Hardcover im Regal und perfekt zur ruhigen, hochwertigen Gestaltung passt.Im Mittelpunkt steht Fiona, die sich ihren großen Traum erfüllt hat und zu einer der erfolgreichsten Beauty-Influencerinnen Englands entwickelt hat. Ausgerechnet zum Launch ihrer ersten eigenen Kosmetiklinie gerät ihr Leben jedoch völlig aus den Fugen. Ein YouTuber deckt auf, dass bei einer Charity-Aktion, für die Fiona ihren Namen hergegeben hat, Spendengelder veruntreut wurden. Das Problem: Fiona wusste selbst nichts davon und findet sich plötzlich mitten in einem gewaltigen Shitstorm wieder, der ihre gesamte Karriere bedroht. Gemeinsam mit Damian, der den Skandal überhaupt erst öffentlich gemacht hat, versucht sie herauszufinden, was wirklich passiert ist, und zu beweisen, dass auch sie Opfer dieses Betrugs geworden ist.Fiona war mir vom ersten Moment an unglaublich sympathisch. Man spürt sofort, wie viel Herz sie hat und wie wichtig es ihr ist, ihre Reichweite sinnvoll einzusetzen und anderen Menschen zu helfen. Gerade deshalb tat es mir beim Lesen so leid, mitzuerleben, wie ihr gesamtes Leben innerhalb kürzester Zeit auseinanderbricht, obwohl sie selbst überhaupt nichts von dem Betrug wusste. Ich habe von Anfang bis Ende mit ihr mitgefiebert und wollte eigentlich die ganze Zeit nur, dass endlich jemand erkennt, dass sie genauso betrogen wurde wie alle anderen.Mit Damian ging es mir dabei überraschenderweise wie mit kaum einem anderen Book Boyfriend. Am Anfang mochte ich ihn sofort. Dann gab es eine Phase, in der ich ihn wirklich furchtbar arrogant und hochnäsig fand und ihm seine Behandlung von Fiona richtig übel genommen habe. Erst als ihm langsam klar wurde, dass Fiona selbst genauso Opfer des Betrugs geworden ist wie alle anderen und sein schlechtes Gewissen einsetzt, beginnt er, ihr wirklich zu helfen. Und genau ab diesem Moment habe ich ihn mit jedem Kapitel wieder mehr ins Herz geschlossen. Ich glaube tatsächlich, ich hatte noch nie einen Book Boyfriend, den ich am Anfang mochte, zwischendurch überhaupt nicht mehr ausstehen konnte und am Ende dann doch wieder richtig gern hatte.Was mich allerdings emotional am meisten beschäftigt hat, war Fionas Mutter. Ich wollte Fiona während des gesamten Buches eigentlich nur in Therapie schicken. Eine Mutter, die ihr eigenes Kind ein Leben lang kleinmacht, emotional fertig macht und gleichzeitig auf dessen Kosten lebt, gehört für mich zu den schlimmsten Elternfiguren, die ich bislang in einem Roman erlebt habe. Fiona finanziert ihr ein Haus, bezahlt Urlaube, Einrichtung und unterstützt sie, wo sie nur kann, und trotzdem interessiert sich diese Frau keinen einzigen Moment wirklich für ihre Tochter. Ich habe sie von der ersten bis zur letzten Seite leidenschaftlich gehasst.Umso schöner war der Kontrast zu Damians Familie, die Fiona mit einer Wärme und Selbstverständlichkeit aufnimmt, wie sie sie ihr ganzes Leben eigentlich hätte erleben sollen. Diese Szenen haben dem Buch unglaublich gutgetan und ihm sehr viel Herz gegeben.Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist tatsächlich eine Kleinigkeit, die meinen inneren Monk aber dauerhaft beschäftigt hat. Im Buch wird immer wieder das National History Museum in London erwähnt. Dieses Museum heißt allerdings Natural History Museum. Da das Museum gerade für Damian eine wichtige Rolle spielt und deshalb ständig erwähnt wird, hat es mich irgendwann wirklich irritiert, dass dieser Fehler weder der Autorin noch dem Lektorat oder Verlag aufgefallen ist. Das ist definitiv Jammern auf hohem Niveau und schmälert die Geschichte für mich kaum, trotzdem bin ich jedes Mal wieder darüber gestolpert.Abgesehen davon war Worlds Collide für mich ein richtig schönes Buch mit sympathischen Figuren, einer emotionalen Geschichte und einer gelungenen Mischung aus Romance, Spannung und Charakterentwicklung. Ich freue mich jetzt schon darauf, die beiden anderen Bände der Reihe zu lesen.