Ein würdiger, wenn auch emotional distanzierter Abschluss, der durch seine Spannung im letzten Drittel überzeugt
Nach dem Buddyread zu diesem Buch sitze ich hier und weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, was ich sagen soll. Es ist ein Buch der Gegensätze: Ich bin begeistert und gleichzeitig irgendwie enttäuscht.Im Vergleich zu Band 2 fand ich diesen Teil stärker, was vor allem an der Spannung im letzten Drittel lag. Da hat das Buch endlich an Fahrt aufgenommen und das typische "Hawthorne-Rätselfieber" ist ausgebrochen. Das Miträtseln hat unglaublich viel Spaß gemacht, auch wenn die Familienverhältnisse mittlerweile so verworren sind, dass ich mehr als einmal komplett den Überblick verloren habe. Da das Buch einen aber bewusst in die Irre führen will, nehme ich das der Autorin nicht mal übel.Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch der emotionale Part. Zwischen Band 2 und 3 liegt fast ein ganzes Jahr. Uns wird zwar berichtet, was in der Zwischenzeit passiert ist, aber für mich hat das nicht funktioniert. Ich konnte die Beziehung zwischen Avery und Jameson emotional überhaupt nicht greifen - es fühlte sich an, als würde ich eine Geschichte über Fremde lesen, deren Entwicklung ich verpasst habe. Genauso erging es mir auch mit Graysons Entwicklung. Zudem wirkten die Jungs oft sehr widersprüchlich: In einem Moment agieren sie wie abgebrühte Business-Männer, im nächsten sind sie dann doch wieder sehr kindische Teenager.Man muss beim Lesen im Hinterkopf behalten, dass es Young Adult ist - Avery ist 17, und entsprechend "interessant" fallen manche Entscheidungen aus. Insgesamt hat mich das Buch trotz einiger Längen und der emotionalen Distanz gut unterhalten, auch wenn der absolute "Ich-muss-sofort-weiterlesen"-Sog diesmal ausblieb.Fazit: Ein spannendes Finale mit kleinen Schwächen in der Charakterbindung, aber einer gewohnt genialen Rätsel-Atmosphäre.