Beschauliche, aber (fast) gänzlich unspannende Geschichte mit viel südfranzösischem Lokalkolorit
Worum geht es?Florence Beaumarie, pensionierte Kommissarin aus Paris (die ihren Job nicht ganz loslassen kann) will einen geruhsamen Jahreswechsel bei ihrem bis dato noch platonischen Freund Charles in der Provence verbringen.Doch es kommt (natürlich, sonst wäre es kein Kriminalroman) ganz anders.Es geschieht ein Mord an einer jungen Afrikanerin im Umfeld ihres Bekannten, des ortsansässigen Kommissars, dessen Frau, eine Französin mit algerischen Wurzeln, ein Frauenhaus leitet. Florence kann es natürlich nicht lassen und ermittelt auf ihre Art im Umfeld des Frauenhauses und einer Boutique mit Bio-Label. Nach und nach kommt sie verschiedenen Motiven auf die Spur, der örtlichen Polizei immer eine Nasenlänge voraus. Alles weitere sollten die Leser selbst entdecken.Dieses Buch zu rezensieren ist wieder einmal nicht so leicht (für mich).Zunächst einmal hat die Autorin einen sehr stimmungsvollen Südfrankreichroman geschieben, mit etwas Liebe und etwas Crime, wunderbaren Landschaftsbeschreibungen, appetitanregenden kulinarischen Einschüben und überhaupt viel französischem Flair.Die "Ermittlungen" von Florence sind ebenfalls wunderbar beschrieben, ihre Eindrücke, ihre Begegnungen mit Menschen und ihre Gedankengänge.Doch die Detailverliebtheit der Autorin hat auch ihre Schattenseiten.Zu bedächtig plätschert die Handlung dahin, es passiert viele quälende Seiten lang eigentlich - gar nichts. Die vielen Namen schwirren durcheinander; ich war dankbar, dass das Buch am Ende ein Dramatis personae aufweist, denn ich verwechselte beständig einige Akteure.Auch wenn die Autorin sich viel Mühe gibt, originelle Charaktere zu erschaffen und zu beschreiben so blieben mir die handelnden Personen im Gegensatz zur Umgebung doch fremd, ich wurde mit niemandem gänzlich vertraut.Das Buch ist in einem angenehm zu lesenden Stil geschrieben, das ist ein Pluspunkt. Ich hoffe jedoch, dass weitere Ausgaben nicht ganz so viele Flüchtigkeitsfehler aufweisen wie das von mir gelesene Exemplar.Übrigens ist dies bereits der zweite Band mit Florence Beaumarie als Protagonistin, aber man kann ihn ohne weiteres ohne Vorkenntnisse lesen und verstehen.Tja, was soll ich noch erwähnen? Logisch, dass Madames' Instinkt am Ende zur erfolgreichen Verhaftung führt und ja, auf den letzten 30-50 Seiten wird es tatsächlich noch spannend...Vielleicht hat die Autorin zu viel gewollt. Sie hat interessante Themen wie Folgen des Algerienkonflikts mit Frankreich, Einsatz für Fair Trade Produkte, Gewalt gegen Frauen und einiges andere mehr recht geschickt miteinander verwoben. Unter Umständen war das Buch auch einfach zu umfangreich.Wegen des guten Schreibstils und dem gelungenen "Einfangen" von südfranzösischem Flair runde ich meine angedachten 3,5* auf 4 auf. Eine Leseempfehlung spreche ich eher für frankophile Leser denn für Krimienthusiasten aus. Ich selbst werde diese Reihe wohl eher nicht weiter verfolgen.