Super Prämisse aber leider sehr stumpfe Umsetzung die Tiefgang vermissen lässt.
Selten war ich so traurig darüber so enttäuscht zu sein. Von den Prinzessinnen hatte ich mir so viel mehr versprochen! Denn die Prämisse ist gut: Ein Söldnerinnentrupp aus ehemaligen Prinzessinnen tut sich zusammen und man wird als Leserin mit auf ihre Abenteuer genommen. Klingt richtig gut und mal nach etwas anderem, nicht die übliche Fantasykost! Starke teils muskulöse Frauen und viel Action. Was kann da schiefgehen?Leider einiges. Ich fang mal an:1. Das Worldbuilding. Die Welt des Buches ist langweilig. Es wurde eine düstere finstere Welt wie in the Witcher versprochen, doch ehrlich gesagt habe ich gar keinen großen Eindruck von dieser Welt in der die Protas lebten, bekommen. Sowohl die Monster, die Einwohner (alles nur Menschen, obwohl die Kreaturen auch teils Sprechen können - doch bis auf ein paar Vampiren wird niemandem mehr Raum gegeben) wirkten auf mich wie eine beliebige Fantasywelt aus DnD ohne Besonderheiten. Es gibt viiiele monster, alle davon sind böse und einige können Magie, aber irgendwie findet das niemand sonderlich interessant . Die Gruppe hat auch keinen Magier, von daher fehlen Ansichten von jmd der das mal anders oder näher berichten könnte. Die Politik erscheint mir teilweise unlogisch. Später dazu mehr.2. Action wurde hier verwechselt mit "es passiert ständig was". Also wirklich ständig. Und leider nimmt das dem Buch eher Spannung, als sie zu geben. Das fängt schon auf den ersten Seiten an. Wir lernen Narvila kennen, die Protagonistin, die leider auch so ein typisches Protagonistinnen-Schildchen am Ärmel trägt, weil sie ständig ne Extrawurst bekommt & alle typischen Verhaltensweisen die New Adult Protas so an den Tag legen, besitzt (keine großen Charaktertraits, sie ist nichts besonderes im Kontext der Prinzessinnen aber auch eine, erlernt ihre Fähigkeiten für die andere Jahre brauchten super schnell und kann auf einmal super gut kämpfen, bestimmt ist sie später auch noch eine Auserwählte). Narvila wurde von Räubern entfürt. Doch anstatt sie zu vergewaltigen (Was ich jetzt bei einer finsteren düsteren Welt erwartet hätte) reisen die Räuber nur mit ihr rum und die Prinzessinnen-Söldner greifen sie auf und befreien sie. Narvila findet sie unheimlich aber cool. Kaum im Schloss zu Hause angekommen erfahren wir, dass sie schon mal entführt wurde und sie das total doof findet, deshalb "will ich jetzt selbst Söldnerin werden, nehmt mich mit!" Die Söldnerinnen tun genau dies, zucken nicht mal mit der Wimper. Sie haut ohne Probleme vom Schloss ab und wir erfahren im Nachhinein das sie ihr Prinzessinnenleben ja sooo anstrengend fand und nicht verheiratet werden wollte. Genauere Reflektionen und Schilderungen aus Narvilas Leben werden ausgelassen.Und gerade als ich dachte jetzt kommt der interessante Part an dem Narvila sich ans harte Leben einer Kriegerin gewöhnen muss macht das Buch 2 Skips von jeweils 8 Wochen und schwups händelt Narvila ihre neue Snowflake Waffe wie ein Profi (sie bekommt natürlich ein Naginata, irgendwie "liegt ihr nur das".)Ein legendärer Trainer ist auch gefunden, weil die Söldnerinnen eben super bekannt sind. Und dann beginnt der Part wo es richtig öde wird: Die Prinzessinnen stolpern von Monster of the day zum nächsten und bekämpfen die. Doch nicht wie bei the Witcher, wo jedes Monster eine Besonderheit war und alle Aufträge grau und mit bösen Konsequenzen verbunden - hier wird einfach DnD like gemetzelt. Die Bösewichte sind btw alle immer männlich.SO gesehen: Es passiert immer etwas. Aber ständig wird die Regel "show dont tell" gebrochen. Es wird erzählt, was passiert, als es bildlich zu beschreiben. Es passiert zu viel Zeug kleinteilig aber einen roten Faden (also einen Plot, vllt ne Bedrohung oder so) gibt es nicht.Mein Hauptrpoblem ist dabei, dass es durch fehlende Beschreibungen auch wenig Tiefe gibt. Weder werden Gespräche beschrieben, noch Monster, noch Landschaften.. bei manchen Monstern wird tatsächlich auch nur ein Name rausgehauen ohne näheres zu erläutern. ("Schattenkatze" sag ich da nur.)3. Es ist unlogisch. Angefangen damit, dass diese Prinzessinnen-Söldner in dieser Welt anscheinend eine große Besonderheit darstellen denn Gleichberechtigung gibt es NICHT sonst wäre die Premisse ja nicht so spannend (und die Frauen müssten nicht immer gegen die bösen Männer kämpfen) und dementsprechend bekannt wie bunte Hasen sein dürften, wenn sie in Dörfer kommen (was sie nicht sind, teilweise werden sie erkannt aber nicht besonders beachtet) OBWOHL alle von ihnen wirklich mal Prinzessinnen waren und irgendwo geflohen sind (niemand scheint sie irgendwo zu vermissen) bis hin zu der Tatsache, dass sämtliche Backgroundplots super viel Zeug bieten was man aufgreifen könnte (jede Prinzessin hat ihren eigenen schweren Rucksack zu tragen aber das wird in kurzen Kapiteln zwischen Narvilas Geschichte abgehandelt) fehlt einfach von allem etwas. Die Politik der einzelnen Länder wird angesprochen, aber nie genauer beleuchtet. Es erscheint mir eher als hätte jemand nicht viel darüber nachgedacht wie sich so eine Welt entwickelt haben könnte. Ja es gab wohl Kriege, aber keine von den Protas greift die jemals sinnvoll für den Leser auf. 4. Es bleibt oberflächlich. Das ist zwar ganz unterhaltsam, aber leider auch irgendwann massiv öde. Die Gespräche der Prinzis drehen sich immer nur um Ficken, Essen, Schlafen, Geschnetzel oder wieder ums Ficken. Die vulgäre Sprache mal dahingestellt, die find ich ehrlich gesagt ganz authentisch, ist das aber leider trotzdem etwas dürftig um ein Buch von knapp 500 Seiten zu füllen. Ja, insgesamt wird hier eine "found familiy" angestrebt, und die Prinzis halten zusammen. Das ist cool. Aber es wirkt eher wie die grobe Nacherzählung einer DnD Runde in der wenig Charakterspiel betrieben wurde und stattdessen viel gekämpft. Dann mal wieder Tavernenfluff. Dann wieder Action. Da ist wenig dazwischen, was das hält. Ich mache mal ein Beispiel (achtung kleine Spoiler, aber eigentlich nix was den Plot jetzt verrät):Narvila wird an einer Stelle des Buches von anderen Söldnern mitgenommen weil (oh wunder) ihr Vater sie sucht und sie ja eigentlich verheiratet werden muss. Irgendwann wird sie dann wenig überraschend wieder von den anderen Ps befreit und die metzeln besagte Söldner einfach ab anstatt Verhandlungen zu führen (ein Motiiv das oft Wiederholung findet). Narvila die sich vorherige Nacht mit einem der Söldner unterhalten hat findet das doof und tut das laut kund. Die Prinzessinnen sind pikiert, weil ihnen keine endlose Dankbarkeit von ihr entgegengebracht wird. Anstatt diesen "Konflikt" jetzt durch interessante Gespräche zu klären, nach und nach, schweigen sich die Protagonistinnen erstmal tagelang im Buch an. Dann bekomme ich als Leserin ein paar Absätze in denen die Ps tatsächlich einzeln miteinander reden, doch jedes Gespräch ist ungefähr 4 Sätze lang. Dann ist der Konflikt gegegessen und alle gehen zubern.Insgesamt so viel verfehltes Potenzial: Nicht wie the Witcher, dafür fehlt eine Welt die wirklich düster ist. Trotz unsäglicher Monster und endloser Arbeit für die Söldnerinnen gibt es keine große Bedrohung, denn sie meistern jeden Kampf ohne Bravur (und viel Kampfbeschreibung gibts auch nicht). Die Monster sind so schwarzweiß wie Pappe, haben keine spannenden Fähigkeiten oder Beschreibungen. Außerdem fehlen die spannenden Beziehungen. Found Family schön und gut, aber dafür muss es ja auch Charaktere geben die KEINE Found Family sind., Dadurch, das die (ich betone nochmal) nur männlichen Bösewichte alle einfach nur eklig sind, aber auch stets gleichbleibend doof, fehlt da irgendwie was. Und dann das dümmste: WO IST DER PLOT. Wo ist denn die "Finsternis" in der im Titel berichtet wird? Was ist denn die Bedrohung? Später gibt es etwas mehr Einsatz für die Ps, aber nichts was ich jetzt als wirklich tragend empfinden würde.5. Sprachliche Qualität 4/10 Wie erwähnt gibt es kaum Beschreibungen, das Buch ist wenig bildlich (selbst die Kämpfe sind nicht besonders spannend). Das trägt dazu bei das sich die Welt sehr generisch und ohne Wiedererkennungswert anfühlt. Eher so Mario Galaxy für die Switch anstatt Witcher 3. Sehr wenig komplexe Sätze, Unterhaltungen sind eher kurz und schlicht.Insgesamt bin ich mega enttäuscht und rate jedem von der Reihe ab, der hier unterhaltsame aber auch etwas tiefgründigere Fantasy sucht. Wer einfach nur mit oberflächlichem Geplänkel ohne große Charaktere auskommt wird sicher auch glücklich.