Trotz kleiner Schwächen bietet dieser historische Krimi einen spannenden Einblick in eine streng konfuzianistisch geprägte Gesellschaft.
Die Autorin schafft es von Beginn an, eine spürbare Spannung aufzubauen. Schon auf den ersten Seiten beginnt man mitzurätseln, wer welche Geheimnisse verbirgt und wem im Geflecht aus Macht, Loyalität und Angst wirklich zu trauen ist. Zu Beginn konnte ich kaum aufhören zu lesen.Nicht jede Szene überzeugt jedoch gleichermaßen. Die Beschreibung eines ermordeten Bauern wirkt stellenweise überzogen. Irritierend ist zudem der plötzliche Sinneswandel der Mutterfigur, der erzählerisch kaum vorbereitet wird.Gelungen ist hingegen, wie konfuzianistische Prinzipien in die Handlung eingebettet, sowie kurz und bündig erklärt werden. Insgesamt war es bereichernd, so viel über die damaligen Gesellschaftsnormen in jetzigen Korea zu erfahren.Kritisch anzumerken sind jedoch einige kleine Inkonsistenzen, insbesondere im Umgang mit etablierten Regeln. So wird betont, dass medizinische Behandlungen strikt nur vom gleichen Geschlecht durchgeführt werden dürfen, diese Norm aber später ohne nachvollziehbare Konsequenzen oder viel Reflexion durchbrochen.Sprachlich empfand ich insbesondere die Dialoge in der deutschen Fassung häufig als unpassend. Gerade im Deutschen wäre es durchaus möglich gewesen, die gesellschaftlichen Hierarchien und feinen Abstufungen persönlicher Nähe, die im Koreanischen bis heute eine große Rolle spielen, abzubilden. Leider wird dies von der Übersetzerin nicht berücksichtigt. So kommt es vor, dass Figuren innerhalb eines Satzes mit Ehrentiteln angesprochen und gleichzeitig geduzt werden, was befremdlich wirkt. Dadurch gehen wichtige gesellschaftliche Spannungen verloren und die Machtverhältnisse innerhalb der Geschichte können sich nicht gänzlich dargestellt werden ¿ und das hat mich als jemand, der sich in den letzten Jahren mit der koreanischen Sprache beschäftigt hat, schon gestört.