Anna Karenina entfaltet ein vielstimmiges Panorama der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, in dessen Zentrum die tragische Liebe Annas zu Wronski und die moralisch-geistige Suche Lewins stehen. Tolstoi verbindet psychologische Präzision, realistische Milieuschilderung und philosophische Reflexion zu einem Roman, der Ehe, Begehren, Familie, Religion und soziale Ordnung gleichermaßen untersucht. Sein Stil ist zugleich klar, episch weit und von subtiler Ironie getragen. Lew Tolstoi, 1828 in Jasnaja Poljana geboren, schöpfte aus aristokratischer Herkunft, militärischer Erfahrung und einer lebenslangen Auseinandersetzung mit Schuld, Glauben und gesellschaftlicher Verantwortung. Seine Kenntnis der Petersburger und Moskauer Eliten, aber auch sein Interesse an bäuerlicher Arbeit und ethischer Erneuerung prägen den Roman. In Lewin spiegelt sich besonders Tolstois eigenes Ringen um Sinn, Wahrheit und ein moralisch begründetes Leben. Dieses Buch sei allen empfohlen, die nicht nur eine Liebestragödie, sondern eine umfassende Diagnose menschlicher Existenz lesen möchten. Anna Karenina bleibt von unverminderter Aktualität, weil es private Leidenschaft und öffentliche Norm, individuelle Freiheit und soziale Verurteilung mit außergewöhnlicher Tiefe sichtbar macht.