Goethes Wilhelm-Meister-Komplex - von der frühen Theatralischen Sendung über die Lehrjahre bis zu den Wanderjahren - entfaltet die Geschichte eines jungen Bürgers, der im Theater, in Liebe, Irrtum und gesellschaftlicher Erfahrung nach Bildung sucht. Zwischen Roman, Entwicklungsbericht und poetischer Versuchsanordnung entsteht ein Schlüsselwerk der deutschen Klassik: psychologisch genau, ironisch beweglich und formal zunehmend experimentell. Die Lehrjahre begründen den Bildungsroman, während die Wanderjahre dessen Voraussetzungen kritisch zerlegen und in ein modernes Geflecht aus Novellen, Maximen und sozialen Entwürfen überführen. Johann Wolfgang von Goethe, 1749 in Frankfurt geboren und seit 1775 in Weimar tätig, schrieb aus einer einzigartigen Verbindung von dichterischer Praxis, Theaterleitung, naturwissenschaftlichem Interesse und politischer Erfahrung. Seine Arbeit am Weimarer Hoftheater, seine Begegnungen mit Schauspielern, Aristokraten und bürgerlichen Reformideen sowie sein lebenslanges Nachdenken über Bildung, Kunst und tätige Selbstbegrenzung prägen Wilhelm Meisters Weg vom ästhetischen Enthusiasmus zur sozialen Verantwortung. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die nicht nur eine Handlung verfolgen, sondern die Entstehung moderner Subjektivität verstehen wollen. Wer Goethe jenseits bloßer Klassizität entdecken möchte, findet hier ein vielstimmiges Labor der europäischen Literatur: erzählerisch reizvoll, gedanklich anspruchsvoll und bis heute aufschlussreich für Fragen nach Beruf, Kunst, Gemeinschaft und Selbstverwirklichung.