Actiongeladen, aber etwas gewöhnungsbedürftig. Zu viele Protagonist*innen & zu wenig Emotionen, sehr gute Darstellung von Night City.
Eine wild zusammengewürfelte Truppe aus verzweifelten Menschen überfällt einen Konvoi von Militech und bekommt etwas in die Hände, was ihr Leben verändert - typisch für Night City geht es um mehr als nur gestohlenes Tech und ihr Leben.Die Handlung ist solide und spannend, der Wechsel zwischen den vielen Perspektivwechseln (und holy, es gibt wirklich zu viele davon. Ich mag sowas ja für gewöhnlich, aber hier brauchte ich echt lange um reinzukommen, zumal die einzelnen Abschnitte auch echt kurz sind) ist stetig und führt zu Abwechslung. Leider fällt mir schon zur Mitte des Buches hin auf, dass ungefähr die Hälfte der Protagonist*innen ziemlich unsympathische Arschlöcher sind - Albert zum Beispiel. Und der bekommt einen Großteil der des Buches, wobei es um wilde theoretische und cybermäßige Annahmen geht. Das ist teilweise interessant, streckenweise aber einfach zu viel, weil es den Plot nicht trägt und auch keine Emotionen.Apropos! Ein weiteres Problem des Romans sind die fehlenden Emotionen. Ist jetzt eine wilde Annahme von mir, aber ich habe nach dem Beenden des Romans irgendwie das Gefühl, das Rafal Kosik seine Charaktere irgendwie nicht richtig mochte. Innerhalb der Gruppe kam sehr wenig Gruppengefühl auf - fast mehr davon spürte ich bei den Maelstroms, einer Bande von Gangmitgliedern, die teilweise mit unserer Gruppe in Kontakt treten und in ihrer Freizeit gerne mal andere Leute aufschlitzen. Unsere Bande ist... im letzten Drittel des Buchs treten mehr Beziehungen zu Tage, doch wirklich viel fühlen konnte ich davon nichts. Dabei ist es nicht mal so als würden sich die Protagonisten gegenseitig misstrauen, es wirkt eher so als würden sie sich nicht sehr füreinander interessieren, denn sie führen kaum Gespräche miteinander. Bestes Beispiel sind hier Zor und Aya, die nachdem sie intim miteinander wurden kaum noch miteinander interagieren.Auch seltsam fand ich es, dass Aya gefühlt 70% des Romans nur rumsitzt und wartet, obwohl sie doch etwas so wichtiges will. Oder die ständigen Nennungen aller Waffennamen.Dritter Kritikpunkt: Die Auflösung gegen Ende ist mir etwas zu kurz (man darf bei dem Buch kein Happy End erwarten, wir sind hier in Night City) und auch etwas lieblos. Natürlich passt das Ende sehr zum Setting, aber ein bisschen mehr Erklärung wäre schön gewesen. Es führte jedenfalls nicht dazu, dass ich den Roman lieber mochte. Im Gegenteil, es ließ mich eher enttäuscht zurück und ich dachte mir "hmm. Das soll's jetzt gewesen sein?"Insgesamt wird die Welt von Cyberpunk 2077 atmosphärisch dargestellt, die Vertonung des Hörbuchs ist großartig doch es sind zu viele Protagonist*inne. Viele davon wirken einfach unnötig und "too much". (Liam wäre so ein Beispiel. Er trägt gefühlt nichts zum Plot bei.) Die Charaktere erlangen irgendwann eine gewisse Tiefe, doch irgendwie bleibt es bei Knietiefe, denn so wirklich entwickeln tun sie sich ab einem Punkt nicht. Gerade das "Wir gegen alle" Gefühl stellt sich nicht so richtig ein, da die Beziehungen in der Gruppe irgendwie nicht stark genug werden. Beinharte Fans werden hier vielleicht Spaß haben, ich würde das Buch jedoch anderen Leser*innen nicht empfehlen. Es will zu viel und erzählt zu wenig.