Victor Hugos "Les Misérables / Die Elenden" entfaltet ein monumentales Panorama des Frankreichs zwischen napoleonischer Nachzeit, Restauration und den Barrikadenkämpfen von 1832. Im Zentrum steht Jean Valjean, dessen Weg vom verurteilten Sträfling zum moralisch geläuterten Wohltäter die Frage nach Schuld, Gnade und sozialer Gerechtigkeit dramatisch verdichtet. Hugos Stil verbindet realistischen Detailreichtum, melodramatische Spannung, philosophische Exkurse und epische Geschichtsschreibung; der Roman steht damit zugleich in der Tradition des romantischen Gesellschaftsromans und weist auf den modernen politischen Roman voraus. Victor Hugo, Dichter, Dramatiker und politisch engagierter Intellektueller, schrieb aus der Erfahrung eines Jahrhunderts der Umbrüche. Seine Sensibilität für Armut, Rechtlosigkeit und staatliche Härte wurde durch eigene Beobachtungen sozialer Not sowie durch sein republikanisches Engagement und sein Exil geschärft. "Die Elenden" ist daher nicht nur Erzählung, sondern ein moralisches Plädoyer gegen Institutionen, die Menschen auf ihre Verfehlungen reduzieren. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Literatur als Erkenntnisform ernst nehmen. Wer große Charaktere, historische Weite und eine leidenschaftliche Ethik der Barmherzigkeit sucht, findet hier eines der wirkmächtigsten Werke der Weltliteratur.