Immer das Gleiche
Die Schwächen dieses Bandes treten deutlicher hervor als die Stärken, und genau das macht ihn für mich zu einem der bislang ernüchterndsten Teile der Reihe. Die Handlung wirkt zunehmend aufgebläht, als würde sie sich selbst mit immer neuen Figuren und Konflikten künstlich am Leben halten. Statt echte Entwicklungen voranzutreiben, werden Baustellen eröffnet, die den Eindruck vermitteln, dass die Geschichte eher in die Breite als in die Tiefe wächst. Die Spannung entsteht dadurch weniger aus erzählerischer Konsequenz als aus ständig neuen Problemen, die plötzlich in den Raum geworfen werden. Das sorgt zwar für Tempo, aber nicht für Substanz.Der Fokus auf Madisons Training ist grundsätzlich ein sinnvoller Ansatz, doch die Umsetzung bleibt erstaunlich blass. Vieles wird angerissen, wenig wirklich durchdacht. Die Reduktion des Spice-Anteils könnte der Reihe guttun, doch hier wirkt sie eher wie ein Nebeneffekt, nicht wie eine bewusste erzählerische Entscheidung. Gleichzeitig bleibt der Rest der Handlung so überladen, dass die ruhigeren, charakterbezogenen Momente kaum Raum bekommen, um ihre Wirkung zu entfalten.Die Figurenentwicklung, die eigentlich ein Highlight sein könnte, verliert sich in Andeutungen. Neptunos Hintergrundgeschichte bringt zwar eine interessante emotionale Ebene hinein, doch auch hier bleibt vieles an der Oberfläche. Madison selbst wirkt trotz des Trainings kaum greifbarer oder reifer, und Plutao bleibt eher Staffage als wirklich relevanter Bestandteil der Handlung. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Charaktere mehr Potenzial hätten, als der Band ihnen zugesteht.Stilistisch bleibt die Autorin zwar gewohnt flüssig, doch die Vielzahl an Perspektiven sorgt zunehmend für Verwirrung statt für Tiefe. Manche Szenen wirken hastig, andere unnötig gestreckt, und die Rückkehr zu bekannten Schauplätzen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der erzählerische Fokus schwankt. Der Band liest sich dadurch weniger wie ein konsequenter Teil der Reihe und mehr wie ein Übergang, der nicht recht weiß, wohin er führen soll.Unterm Strich ist dieser Band für mich der bisher schwächste. Er hat einzelne starke Momente, aber sie gehen im Lärm der überladenen Handlung unter. Die Reihe hält mich noch, aber eher aus Gewohnheit und Neugier als aus echter Begeisterung. Gerade deshalb hoffe ich, dass der nächste Teil wieder klarer, fokussierter und mutiger erzählt wird.