Und dieser Momente gibt es nicht viele.
Die Probleme fangen schon an, bevor man das Buch aufgeschlagen hat; auf dem Cover steht Hard Science Fiction, was aber nicht stimmt. Daher nur 1 Stern. Ohne diese Lüge gäbe es aber auch nur 2 Sterne. Die Geschichte ist voll von handwerklichen und dramaturgischen Schwächen.
Die wesentlichen Ereignisse, die zu der Geschichte führen, haben zu Beginn des Buches bereits stattgefunden. Die Gewalttätigkeiten von Rays Vater, die Desertion von der Militärakademie. Warum er desertiert ist, erfahren wir nur sehr diffus, und warum es sich um Desertion handelt, erfahren wir auch nicht. Du betrittst diese Akademie einmal und kannst dann nie wieder raus? Üblicherweise bist du erst nach der Vereidigung verpflichtet, und auch dann kannst du immer noch den Dienst quittierten. Gerade auf einer Akademie (wo es um Offizierslaufbahnen geht) will man üblicherweise nur Freiwillige haben. Könnte er nicht kündigen? Könnte er nicht wieder austreten? Könnte er sich nicht so dämlich anstellen, dass er rausgeworfen wird? Könnte er nicht die Mindestzeit absitzen? Alles Fragen, die nicht beantwortet werden, die aber beantwortet werden müssten, da eine Akademie normalerweise nicht so funktioniert wie hier dargestellt. Warum wollen sie ihn unbedingt dabehalten, warum lassen sie ihn nicht gehen? Details dazu werden strategisch von der Autorin ignoriert, da ansonsten die ganzen Ungereimtheiten daran nur noch deutlicher zu Tage treten würden.
Man wird direkt in die Geschichte hineingeworfen, die Geschichte ist außerdem komplett aus Rays Perspektive geschrieben, andere Standpunkte erleben wir nicht. Dadurch wirkt die Geschichte extrem distanziert, zuweilen fast surreal (wirklich: wir erleben rein gar nichts, wo Ray nicht anwesend ist). Da wurde eine Menge dramaturgisches Potenzial verschenkt.
Dann wiederum werden die dramatischen Teile der Geschichte so schnell abgerissen, dass du dich danach fragst: was zum Teufel war das jetzt grade? Gerade das Ende ist schon regelrecht grotesk.
Auch die Gefahr durch die Adventive im Allgemeinen erschließt sich nicht. Man erlebt nur 2 adventive Figuren in Aktion, und die sind hochrangige Militäroffiziere. Zu viele Figuren sind sehr klischeehaft, teilweise bis ins Groteske überzeichnet. Die Motivationen der Figuren zeigen sich einem nicht (da wir sowieso nur Rays Perspektive kennen, und die kann auch fehlerhaft sein, siehe weiter unten).
In der Geschichte passiert nicht besonders viel. Man fliegt von Pontius nach Pilatus und wieder zurück, sammelt Leute ein, die zur Haupthandlung nichts beitragen, am Ende erreicht man das Ziel, und da wird es dann erst richtig absurd.
Am Ende ist Friede Freude Eierkuchen, und einige wollen auch heiraten.
Kein Scheiß.
und das ist nur die Spitze des Absurditäten-Eisbergs am Ende.
Lektorat gab es wohl gar keins.
Kapitel 16: Am nächsten Tag packten sie ihre Sachen und flogen weiter in Richtung Ceres, der in seinem derzeitigen Umlauf nur zwölf Tage Flug von ihrer Position entfernt war.
DIE Ceres ist WEIBLICH. Wie die Venus. Schon ein peinlicher Fauxpas, wenn man bedenkt, dass die Geschichte von einer Frau geschrieben wurde. Und wieso hat Ceres eine Atmosphäre? Frau Kaml hätte besser Triton genommen, da könnte man das noch für glaubwürdig halten. Schlecht oder gar nicht recherchiert, und untermauert auch nicht unbedingt den Hard-Sci-Fi-Anspruch auf dem Cover.
Der wirklich grottigste Fehler, an dem man erkennt, wie die Autorin mit der Geschichte umgegangen ist, ist dieser hier:
Kapitel 17: Eine weitere Tür glitt zur Seite und die fünf betraten das, was Ray sofort als Brücke des Schiffs erkannte.
Sie sind aber in dem Moment aber nur zu viert; Frau Kaml hat wohl vergessen, dass sich Laif noch auf der Pax befindet.
Entweder machst du selber das Lektorat, oder du suchst dir jemanden, allein schon für die ganzen Rechtschreib- und Grammatikfehler, merkwürdige Zeitformen (Präteritum in wörtlicher Rede), zu viele nervige Wiederholungen (ich sag nur "grinsender Kerl"), stolperige Formulierungen etc.
Scheißegal, Hauptsache veröffentlichen.
Dazu kommen überflüssige Nebenhandlungen: die "Rettung" von Laif (natürlich aus den Händen einer Klischeefigur, wobei diese Figur, wenn man von den Klischees mal absieht, durchaus noble Absichten hat), Die Suche nach Vivian etc.
Dann sind da noch diverse Logiklöcher. Die T-Gun wird eingangs als moderne Schusswaffe mit Schockfunktion bezeichnet, weiter hinten kann man damit auch Leute erschießen (und wofür das "T" steht, erfährt man auch nicht) . Vivian merkt nicht, dass Andor in sie verliebt ist, obwohl sie genau DAS gemäß ihrer Fähigkeiten erkennen müsste. Irgendwo wird mal erwähnt, dass das Geld knapp wird, spielt aber im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Nahe liegende Lösungen werden nicht genutzt. Ray hat zwar den Mut zu desertieren, ist aber ansonsten die letzte Memme. Gegen Ende vermöbelt er zwar (erfolgreich) seinen Vater, will sich dann aber widerstandslos von ihm erschießen lassen. Ray vertraut sich seinen Freunden nicht an, obwohl sie dies sogar zum Vorteil nutzen könnten, und so weiter. Die Geschichte bewegt sich an manchen Stellen schon am Rande des Idiot Plots (die Geschichte oder zumindest Teile davon funktioniert nur, weil sich alle wie Idioten verhalten).
Geschmachte, Selbstkasteiung und Schicksalsergebenheit von Ray nehmen im Verlauf der Geschichte regelrecht melodramatische Züge an, und die Darstellung derselben teilweise gefühlt über Seiten nervt sehr schnell ach ja, die Einstichstelle...
Dazu noch die ganzen nervigen Vorausvermutungen. Kostprobe gefällig? "Rays Herz setzte einen Schlag aus. Hatte er von Li gehört? War ihr etwas zugestoßen? Er bestätigte, steckte das Pad ein und ging los." Das ist eine Vorausvermutung, und erwartungsgemäß ist Li vollkommen in Ordnung, sie kommt einige Momente später auf die Brücke. Dieser Vorausvermutungen gibt es viele, und gefühlt 98% davon erweisen sich als falsch.
Lustige Anekdote am Rande: am Anfang des Buches stellt Ray die Vorausvermutung in den Raum, es könnte sich bei Li um eine Spionin seines Vaters handeln (was erwartungsgemäß nicht zutrifft und auch total unlogisch ist in dem Moment, da ER IHR hinterherläuft (durch ZUFALL!) und nicht umgekehrt), wofür er sogar bereit wäre, Gewalt gegen sie anzuwenden. Fast wünscht man sich, sie WÄRE eine Spionin seines Vaters, nur um herauszufinden, was dann passiert.
Lass es doch einfach, es nervt.
Apropos lustig: die Geschichte ist komplett humorlos. Im Übrigen kommt keine einzige Person in dieser Geschichte durch Gewalt zu Tode (von einer unzuverlässigen Figur wird ein Suizid erwähnt), was auch wieder surreal wirkt, wo doch gerade die Adventive so gefährlich sein soll. Dieses Phänomen zieht sich durch das ganze Buch. Es wird Gewalt erwähnt, aber man sieht sie so gut wie nie, was auch wieder der Beschränkung auf Rays Perspektive geschuldet ist.
Ich habe das E-Book für 2 Euro gekauft, das kann ich verkraften. Für den Preis kann man es mal lesen, wenn man wissen möchte, wie man KEINE gute Geschichte schreibt. Wobei die Geschichte eigentlich nicht sooo schlecht ist, allerdings ist sie wirklich schlecht geschrieben. Ich kann der Autorin nur dringend empfehlen, die Geschichte zu überarbeiten, und vor allem: versprich nichts, was die Geschichte nicht hält.