The Black Bird Oracle von Deborah Harkness ist der fünfte Band der All-Souls-Reihe und schließt direkt an die Geschichte der vorherigen Bücher an. Und das ist wichtig: Man sollte die Vorgänger wirklich gelesen haben. Die Figuren, Beziehungen, politischen Strukturen und vor allem Dianas Entwicklung werden hier vorausgesetzt. Ich habe mehrfach gelesen, dass das Buch gerade im Deutschen anfangs wohl etwas missverständlich als Beginn einer neuen Reihe vermarktet wurde. Das ist es definitiv nicht.Die Geschichte spielt ungefähr fünf Jahre nach dem vierten Band und führt uns endlich wieder zurück zu Diana, Matthew und ihren inzwischen fast siebenjährigen Zwillingen Rebecca und Philip. Diana erfährt, dass die Familie ihres Vaters keineswegs so verschwunden ist, wie sie bisher dachte, und macht sich auf die Suche nach diesem Teil ihrer Vergangenheit. Dabei erfährt sie immer mehr über ihre Familie und vor allem darüber, welche Magie tatsächlich in ihr steckt.Wie schon die Vorgänger ist auch dieser Band sehr unaufgeregt erzählt. Und ich glaube, genau das muss man an der All-Souls-Reihe entweder mögen oder man wird mit ihr nicht glücklich. Es gibt Passagen, die sich ziehen und bei denen wirklich nicht besonders viel passiert. Gleichzeitig liebe ich diese Welt und ihre Charaktere inzwischen so sehr, dass ich trotzdem gerne darin versinke. Gerade ab ungefähr der Hälfte wurde das Buch für mich immer stärker und zum Ende hin fand ich es wirklich richtig gut. Besonders alles rund um Dianas Herkunft, ihre Magie und ihre väterliche Familie fand ich unglaublich spannend.Mein eigentliches Manko sind, wie schon bei den anderen Büchern der Reihe, die extrem langen Kapitel. Ich bin einfach kein Freund davon und finde, dass ich dadurch deutlich zäher durch Bücher komme. Gerade weil es innerhalb der Kapitel teilweise Zeitsprünge und Szenenwechsel gibt, hätten sich viele davon meiner Meinung nach problemlos teilen lassen.Was mich allerdings wahnsinnig macht, ist das Ende. Ich war fest davon ausgegangen, dass dieser Band wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt. Nope. Stattdessen endet das Buch offen und mit etwas, das ich für Deborah-Harkness-Verhältnisse durchaus als Cliffhanger bezeichnen würde. Satu - ausgerechnet die Hexe, die Diana im ersten Band gefoltert hat - wird von der Kongregation damit beauftragt, Rebecca und Philip zu prüfen, und bedroht Diana am Ende ziemlich unverhohlen. Und dann ist das Buch vorbei. Danke für nichts.Ganz ehrlich: Hätte ich vorher gewusst, dass hier eine neue Geschichte aufgemacht wird, die noch gar nicht abgeschlossen ist, hätte ich The Black Bird Oracle wahrscheinlich noch eine ganze Weile auf meinem SuB liegen lassen. Die vorherigen Bücher hatten für mich einen Abschluss. Jetzt sitze ich hier und möchte natürlich wissen, wie es mit Diana, Matthew, Rebecca und Philip weitergeht, denn dieses Ende lässt wirklich nichts Gutes erwarten.Optisch liebe ich meine Ausgabe dafür umso mehr. Ich habe die erste Edition mit Farbschnitt und ich glaube, von allen Büchern der Reihe ist das tatsächlich mein liebster. Der Triple Moon auf dem Buchschnitt ist einfach wunderschön. Generell liebe ich die Gestaltung dieser Reihe. Mit Erscheinen von The Black Bird Oracle haben auch die vorherigen Bände ein komplettes Redesign bekommen, und in dieser neuen Gestaltung passen die Bücher wirklich todschick zusammen. Ich hoffe daher sehr, dass Band sechs nicht allzu lange auf sich warten lässt und erscheint, bevor der Verlag auf die Idee kommt, der Reihe schon wieder ein neues Design zu verpassen. Wir Bookies wissen schließlich alle, wie schnell so etwas eskalieren kann und plötzlich eine halbe Reihe nicht mehr zur anderen Hälfte im Regal passt.Insgesamt mochte ich das Buch. Es hatte wie seine Vorgänger seine Längen und ist definitiv kein Buch für jemanden, der eine rasante Fantasyhandlung erwartet. Aber gerade die zweite Hälfte hat mich wieder komplett in diese Welt gezogen und für mich fügt sich The Black Bird Oracle sehr gut in die All-Souls-Reihe ein. Jetzt bleibt mir eigentlich nur zu hoffen, dass Deborah Harkness mich nach diesem Ende nicht ewig auf den nächsten Band warten lässt.