William Shakespeares "Richard III" dramatisiert den blutigen Aufstieg und jähen Sturz des Herzogs von Gloucester, der durch Intrige, Verstellung und Mord die englische Krone an sich reißt. Als frühes Historienstück und zugleich psychologisch zugespitzte Tragödie verbindet das Werk Chronikstoff aus den Rosenkriegen mit einer rhetorisch glänzenden Studie politischer Macht. Richards virtuose Monologe, seine ironische Selbstenthüllung und die dichte Bildsprache machen ihn zu einer der faszinierendsten Bühnenfiguren der Weltliteratur. Shakespeare schrieb das Stück vermutlich Anfang der 1590er Jahre, in einer Epoche, in der Fragen legitimer Herrschaft, dynastischer Erinnerung und nationaler Ordnung besondere Brisanz besaßen. Als Dramatiker des elisabethanischen Theaters griff er auf Quellen wie Holinsheds "Chronicles" und die Tudor-nahe Geschichtsschreibung zurück. Daraus formte er keine neutrale Historie, sondern ein dramatisches Lehrstück über Gewissen, Propaganda und die zerstörerische Energie ungezügelten Ehrgeizes. "Richard III" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die politische Literatur, sprachliche Präzision und moralische Ambivalenz schätzen. Das Stück zeigt, wie Charisma und Gewalt ein Gemeinwesen vergiften können, und bleibt gerade deshalb erstaunlich gegenwärtig. Wer Shakespeare verstehen will, begegnet hier einem Schlüsselwerk seiner frühen Meisterschaft.